„ELTIF und Anleihen können eine Alternative zum Publikums-AIF sein“
Im Rahmen der Recherche zum „Emissions-Barometer Q1/2026“ befragte EXXECNEWS auch Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender der Jung, DMS & Cie., München. Grabmaier nimmt pointiert Stellung: Geschlossene Publikums-AIF haben an Attraktivität verloren, ELTIFs bilden einen wichtigen Baustein in der Portfoliodiversifikation. Seine Antworten im Wortlaut:
EXXECNEWS: Hat der geschlossene Publikums-AIF noch eine Zukunft? Oder werden andere Produkte wie ELTIFs oder Anleihen wichtiger?
Grabmaier: Der geschlossene Publikums-AIF hat tatsächlich deutlich an Attraktivität verloren. Zum einen durch die Erkenntnis, dass die Regulierung keinen Schutz vor dem Totalverlust bietet – beispielsweise bei der Project-Gruppe. Die Nachfrage ist aufgrund der anhaltend negativen Entwicklungen im Immobilienbereich komplett eingebrochen. Immerhin bezogen sich bisher die meisten geschlossenen Publikums-AIF auf Immobilien. Zum anderen können ELTIFs und Anleihen in den meisten Fällen die bessere Alternative sein.
EXXECNEWS: Bietet Jung, DMS & Cie. denn bereits ELTIF an?
Grabmaier: Ja, aus unserer Sicht bieten ELTIFs einen wichtigen Baustein für die langfristige Portfoliodiversifikation, insbesondere durch den Zugang zu weniger liquiden Anlageklassen mit geringer Korrelation zu klassischen Märkten. Gleichzeitig handelt es sich um ein klar reguliertes Produkt mit definierten Anlegerschutzmechanismen.
Perspektivisch wird zudem diskutiert, ELTIFs als Baustein für das geplante Altersvorsorgedepot ab 2027 zu nutzen, was den Zugang zu dieser Anlageklasse weiter fördern könnte. Seit der Weiterentwicklung der ELTIF-Verordnung 2024 haben wir ELTIFs in unseren Beratungsprozess integriert. Denn dadurch hat sich das Produkt deutlich geöffnet und anlegerfreundlicher gestaltet. Insbesondere der Wegfall von Mindestanlagesummen und Zugangsbeschränkungen ermöglicht erstmals einem breiteren Anlegerkreis den Zugang zu Private-Market-Investments wie Infrastruktur, Private Equity oder Private Debt – in einem regulierten und depotfähigen Fondsvehikel.
Die Beratung erfolgt bei uns strukturiert über die bestehenden Prozesse der Fonds- und Kapitalanlageberatung. Berater und Vermittler greifen dabei auf das jeweilige Fondsuniversum der Depotbanken zu – aktuell beispielsweise auf entsprechende Lösungen der FNZ Bank (Fondsdepot Bank). Die FFB will hier nachziehen. Einerseits ist damit sichergestellt, dass nur geprüfte und zum Vertrieb zugelassene Produkte in die Beratung einbezogen werden. Andererseits werden Anlageziele, Risikobereitschaft, Anlagehorizont sowie Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden systematisch erfasst und mit den Produkteigenschaften abgeglichen, womit die Geeignetheitsprüfung und ESG-Präferenzabfrage vollständig online abgebildet ist. Selbstverständlich werden Anlegern die gesetzlich vorgeschriebenen Dokumente über den Beratungsprozess vor Abschluss zur Verfügung gestellt.
ELTIF 2.0 schafft also einen breiten, regulierten Zugang zu Private Markets für Privatanleger und ist damit eine sinnvolle Ergänzung im Rahmen einer langfristig ausgerichteten Vermögensstrukturierung.
Der Beitrag ist zuerst im Rahmen des Emissions-Barometers Q1/2026 in EXXECNEWS Ausgabe 09-2026 erschienen.
„Wir werden weiter wachsen und neue Geschäftsfelder erschließen“