Finanz-Startup-Radar: NAO
Die Finanzbranche befindet sich im Wandel. Startups treiben diese Entwicklung mit frischen Ideen und digitalen Geschäftsmodellen voran. In unserer neuen Serie „Finanz-Startups im Fokus“ stellen wir junge Unternehmen vor, die etablierte Strukturen hinterfragen und innovative Lösungen für Anleger, Unternehmen und Vermittler entwickeln. Wir beleuchten ihre Konzepte, sprechen mit den Gründern und ordnen Chancen sowie Herausforderungen ein. Unsere Einschätzung dazu finden Sie jeweils am Ende des Artikels visuell dargestellt als Sternebewertung in vier Kategorien. Unser Ziel: Innovationen verständlich einzuordnen und einen Blick auf die Finanzwelt von morgen zu werfen. In Teil eins der Serie widmen wir uns dem Berliner Startup NAO.
Alternative Investments für eine neue Anlegergeneration
Lange galten alternative Investments als exklusive Spielwiese institutioneller Investoren und sehr vermögender Privatkunden. Beteiligungen an Infrastrukturprojekten, Private Equity oder Private Debt waren für viele Anleger kaum erreichbar – zu komplex, zu kapitalintensiv, zu wenig transparent. An diesem Punkt setzt das Berliner Startup NAO (https://www.investnao.com). an. Das im Jahr 2022 in Berlin von Robin Binder (CEO), Philipp Nowakowski und Amel Hasanovic gegründete und im Sommer 2023 gestartete Unternehmen möchte den Zugang zu diesen Anlageklassen vereinfachen und für eine breitere Zielgruppe öffnen. Motto: „Invest like a Millionaire”. Über die NAO-App ermöglicht das Unternehmen, das 18 Mitarbeiter beschäftigt, privaten Anlegern Investitionen in alternative Vermögenswerte. Investieren lässt sich unter anderem in Private Equity, Venture Capital, Infrastruktur, Private Debt und Hedgefonds - von Banken und Asset Managern wie beispielsweise Moonfare, UniCredit, BNP Paribas, UBS und Partners Group – jeweils mit Mindestanlagen von 1.000 Euro. Seit August 2025 bietet NAO zudem einen Sparplan ab einem Euro in alternative Investments an. Durch Partnerschaften mit Anbietern wie beispielsweise Ark Invest Europe (seit Januar 2026) und Hansemerkur (seit Dezember 2025) erhalten Anleger beispielsweise Zugang zu ELTIFs, die unter anderem in Rechenzentren, Künstliche Intelligenz (KI) und Energiespeicherung investieren. Auch eher ungewöhnliche Produkte sind im Angebot: Seit November 2025 ist in Kooperation mit der Plattform für die Finanzierung von Musikrechten Twelvebytwelve erstmals der Zugang zu direkten Musik-Cashflow-Investments für Privatanleger möglich. Ab 1.000 Euro kann dabei in den „Future of Music Bond 2025-1“ investiert werden.
Seed-Finanzierung in Höhe von 4,5 Millionen Euro
NAO finanziert sich durch Gebühren für die Vermittlung und Verwaltung von Anlageprodukten sowie durch Risikokapital. So sicherte sich das Unternehmen Im Dezember 2024 insgesamt 3,4 Millionen Euro in einer Seed-Runde, angeführt von einem Schweizer Family Office. In einer weiteren Finanzierungsrunde im März 2025 kam zusätzliches Kapital in Höhe von über einer Million Euro zusammen. Beteiligt an der zweiten Runde ist unter anderem Wagniskapitalgeber Jens Hilgers, Founding General Partner Bitkraft Ventures. Zum Umsatz macht das Fintech NAO, das Mitte 2024 nach Österreich expandierte und im September 2025 in die Niederlande, auf Nachfrage keine Angabe.
Verkündet wurde aber jüngst die nächste Wachstumsphase mit einer Verstärkung des Managements: Marketing-Veteran Aaron Rosen wurde als Chief Marketing Officer (CMO) ins Boot geholt. Mit diesem Schritt reagiert NAO laut eigener Angabe auf die steigende Nachfrage nach zugänglichen Private-Markets-Investments. Rosen bringt Erfahrung im Schaffen und Umsetzen international skalierbarer Marketing- und Wachstumsstrategien mit: Er baute das Growth-Team bei Trade Republic auf und trieb den Aufstieg zum führenden europäischen Neo-Broker mit voran. Zudem unterstützte er Facebook beim Markteintritt in Deutschland. Als Berater begleitete Rosen mehr als 50 Unternehmen – darunter eBay, idealo und WorldRemit – bei Marketing-Transformationen. Bei NAO wirkte Rosen zuvor als externer Berater und Mitglied des Advisory Boards mit, bevor er nun zum festen Bestandteil des Führungsteams wurde. Parallel zur CMO-Ernennung stellt NAO die operative Struktur neu auf: Hendrik Schmidt, seit April 2023 einer der ersten Mitarbeiter und bisher Head of Growth, verantwortet als Director Growth das Performance Marketing, die Nutzerakquise und die Skalierung aller Wachstumskanäle. Für CEO Binder eine perfekte Kombination aus „strategischer Vision und operativer Exzellenz."
EXXECNEWS sprach mit Robin Binder, der zuvor das Neo Family Office ZEITGEIST GROUP sowie den Fintech-VC Zeitgeist X Ventures aufbaute, über Skalierung, Zielkonflikte und die Positionierung des Unternehmens.
EXXECNEWS: Wie differenziert sich NAO im zunehmend umkämpften Markt für alternative Investments gegenüber anderen Anbietern und Neobanken?
Robin Binder: Im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern haben wir uns von Beginn an ausschließlich auf Private Markets spezialisiert. NAO bietet Zugang zu Private-Market-Investments in echter Family-Office-Qualität – mit strenger Selektion nach institutionellen Standards, hoher Transparenz und persönlicher Begleitung. Unser Investment-Team prüft jeden Fonds sehr detailliert und arbeitet ausschließlich mit ausgewählten, erfahrenen Asset-Managern zusammen. Entsprechend kuratiert ist auch das Angebot: von Private Equity und Venture Capital über Infrastruktur bis hin zu Private Debt und Hedgefonds. Gleichzeitig kombinieren wir diese institutionelle Qualität mit niedrigen Einstiegshürden. Investments sind bereits ab einem Euro möglich, auch als Sparplan. Ein klarer Unterschied zu vielen Neobanken ist zudem unser Serviceanspruch: Fragen unserer Kundinnen und Kunden beantworten wir werktags innerhalb von 15 Minuten, per Chat oder telefonisch. Diese Kombination aus Spezialisierung, Qualität und persönlichem Service macht NAO im Markt einzigartig.
EXXCENEWS: Wie stellen Sie sicher, dass die angebotenen Investments sowohl attraktive Renditen als auch messbaren Impact liefern – und wo liegen dabei die Zielkonflikte?
Binder: Rendite und Impact schließen sich nicht aus, stehen aber durchaus in Spannung. Entscheidend ist deshalb eine sehr saubere Auswahl unserer Investments. Wir prüfen Fonds nicht nur auf Zielrenditen und Track Record, sondern auch darauf, welchen Einfluss die Geschäftsmodelle und Projekte auf die Gesellschaft haben. Zielkonflikte entstehen dort, wo Impact rein marketinggetrieben ist. Auf die NAO-Plattform kommen daher nur Strategien, bei denen wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltige Wirkung langfristig zusammenpassen, etwa in Infrastruktur, Transformation oder bei wachstumsstarken Unternehmen mit klaren Werten. Für mich ist reines Impact-Investing zu kurz gedacht – jede Firma, die nachhaltig erfolgreich sein will, muss nachhaltig, also mit positivem Impact, wirtschaften. Demnach geht es mir primär um die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und die Werte der Belegschaft.
EXXECNEWS: Wie sieht Ihr Weg zur Skalierung aus: Wachstum über neue Märkte oder neue Anlageklassen?
Binder: Beides, aber mit klarer Priorisierung. Skalierung darf bei Private Markets nicht zulasten der Qualität gehen. Deshalb wachsen wir mit unserem Produktangebot bewusst kontrolliert: durch eine gezielte Erweiterung unseres Angebots in bestehenden Anlageklassen wie Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Venture Capital. Neue Märkte spielen für uns eine wesentliche Rolle, denn unser klares Ziel ist es, die führende Plattform für Private Markets in Europa zu werden. Daher fokussieren wir uns stark auf den Eintritt in ausgewählte neue Märkte in Europa.
EXXECNEWS: Was war der strategische Auslöser für Ihre Expansion nach Österreich, und warum haben Sie sich zunächst für diesen Markt entschieden?
Binder: Österreich war für uns ein sehr naheliegender Markt: hohe Finanzbildung, starke Affinität zu Sachwerten und eine vermögende, zugleich bislang unterversorgte Zielgruppe im Bereich Private Markets. Hinzu kommt ein regulatorischer Rahmen, der dem deutschen fast identisch ist und eine saubere, effiziente Expansion ermöglicht. Unser Anspruch war es, zunächst in Märkten zu wachsen, in denen wir unsere Beratungs- und Qualitätsphilosophie eins zu eins umsetzen können. Österreich war da der logische erste Schritt. Neben Österreich ist NAO seit Oktober 2025 auch in den Niederlanden verfügbar. Beide Märkte sind Teil unserer europäischen Expansionsstrategie, die wir 2026 und in den kommenden Jahren weiter forcieren werden.
EXXECNEWS: Wo soll NAO in fünf Jahren stehen?
Binder: Unser Ziel ist klar: NAO soll in Europa zum Synonym für hochwertige Private-Market-Investments werden. Diese Anlageklasse soll für eine breitere Zielgruppe selbstverständlich zugänglich sein, ohne ihren exklusiven Qualitätsanspruch zu verlieren. Kurz gesagt: exklusiv in der Qualität, inklusiv im Zugang. (MB)
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 04-2026 erschienen.