Mikrofinanz-Besonderheit: Anleihen mit festem Zins
Seit Anfang dieses Jahres firmiert die Luxemburger Managementgesellschaft Mikro Kapital Management S.A. als MK Global Kapital Sàrl. Sie verwaltet den Impact-Fonds „Alternative“, der 2015 in Luxemburg aufgelegt wurde und Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU) über mehrheitlich kontrollierte Kredit- und Leasinggesellschaften finanziert. Zum Dezember 2025 verwaltet der Fonds ein Vermögen von mehr als 550 Millionen Euro. Über den „Alternative“ sprach EXXECNEWS mit dem MK Global Kapital-CEO Dr. Johannes Feist.
EXXECNEWS: Private Debt ist in aller Munde. Mikrofinanz zählt zu dieser Assetklasse. Wo sehen Sie die Rolle von Mikrofinanz und was treibt die Nachfrage?
Dr. Johannes Feist: Mikrofinanz fungiert als Stabilisator im Portfolio. Im Gegensatz zu Corporate Private Debt im Mid-Market-Segment korreliert die Wertentwicklung kaum mit den klassischen Kapitalmärkten. Die Erträge stammen direkt aus der Realwirtschaft in Schwellenländern und nicht aus Finanztransaktionen. Das macht die Anlageklasse widerstandsfähig gegen externe Schocks.
Das Wachstum treibt vor allem der Bedarf nach echter Diversifikation. Investoren suchen Cashflows, die unabhängig von den Zyklen in Europa oder den USA funktionieren. Gleichzeitig ist der Kapitalbedarf des Mittelstands in den Zielmärkten – etwa in Zentralasien – enorm. Dort wird eine Finanzierungslücke geschlossen, die lokale Banken oft offenlassen. Es wird also eine fundamentale Nachfrage bedient und kein kurzfristiger Trend.
EXXECNEWS: Sie betonen gern, dass der „Alternative“ kein klassischer Fonds sei. Wodurch unterscheidet er sich von klassischen Mikrofinanzfonds?
Feist: Der „Alternative“ ist kein Fonds, der passiv in Drittanbieter investiert. Es handelt sich um ein Luxemburger Verbriefungsvehikel. Über dieses Vehikel werden Anleihen emittiert und die Mittel direkt in ein Netzwerk von Portfoliogesellschaften investiert, an denen eine Mehrheitsbeteiligung besteht. Das ist der entscheidende Unterschied: Die volle Kontrolle über die Wertschöpfungskette liegt im eigenen Haus.
Die meisten Wettbewerber agieren als reine Debt Funds und sind auf das Reporting externer Partner angewiesen. Bei uns hingegen erfolgt die operative Steuerung der Tochtergesellschaften selbst. Kreditvergabe, Risikomanagement und Prozesse vor Ort werden direkt kontrolliert. Damit besteht ein direkter Durchgriff auf die Assets, ohne sich auf Filter durch Dritte verlassen zu müssen. Ich persönlich bin bei der Hälfte unserer Kreditnehmer-Finanzinstitutionen im Aufsichtsrat. Bei der anderen Hälfte sind meine Management-Kollegen im Aufsichtsrat.
EXXECNEWS: Ihr Schwerpunkt der Kreditvergabe liegt auf Europa und Zentralasien. Nach welchen Kriterien vergeben Ihre Gesellschaften die Kredite und wie steuern Sie das Risiko in Märkten wie beispielsweise Usbekistan oder Rumänien?
Feist: Die Basis ist immer der operative Cashflow des Kreditnehmers. Es wird vor Ort geprüft, ob der Unternehmer Zins und Tilgung aus seinem laufenden Geschäft erwirtschaften kann. Das ist die erste Verteidigungslinie im Risikomanagement.
Zusätzlich sind die Kredite im KMU-Bereich in der Regel voll besichert. Besonders deutlich wird das beim Leasing: Das finanzierte Objekt, etwa ein Fahrzeug oder eine Maschine, bleibt bis zur vollständigen Tilgung im Eigentum der Gesellschaft. Der Zugriff auf die Sicherheit ist also jederzeit gegeben. Governance bedeutet dabei, europäische Standards in die lokalen Märkte zu exportieren. Die lokalen Teams arbeiten nach strikten Vorgaben, die zentral überwacht werden. So ist sichergestellt, dass die Kreditentscheidung in Duschanbe in Tadschikistan derselben Sorgfalt unterliegt wie in Rom in Italien.
EXXECNEWS: Sie wenden sich vorrangig an institutionelle Investoren. Wie setzen beispielsweise Vermögensverwalter oder Pensionskassen das Instrument aktuell ein?
Feist: Investoren erwerben keine Fondsanteile mit unbestimmter Laufzeit, sondern Anleihen mit festem Kupon und fixer Fälligkeit. Das macht den Einsatz sehr planbar. Vermögensverwalter nutzen die Papiere oft, um Fälligkeitsstrukturen im Portfolio zu bauen oder kurzfristige Liquidität besser zu verzinsen als am Geldmarkt.
Für Pensionskassen und Stiftungen steht die Perspektive des Asset Liability Managements im Vordergrund. Da Laufzeiten zwischen elf und 48 Monaten zur Verfügung stehen, lässt sich das Investment exakt auf die Verpflichtungsseite der Bilanz abstimmen. Es ist ein Baustein für den Zinsertrag, der sich in eine feste Ablaufplanung einfügen lässt.
EXXECNEWS: Apropos Planbarkeit: Mit welcher Liquidität und welchen Strukturen müssen Investoren rechnen?
Feist: Der Zugang erfolgt über das EMTN-Programm an der Luxemburger Börse. Zugesagt werden quartalsweise Zinszahlungen und Laufzeiten, die bei elf Monaten beginnen und bis zu vier Jahre reichen.
Anleger sollten das Investment als „Buy and Hold“ betrachten. Zwar sind die Anleihen börsennotiert, was eine theoretische Handelbarkeit schafft, aber die eigentliche Liquidität entsteht durch die kurze (elf Monate) bis mittlere (48 Monate) Duration. Wer investiert, plant den Rückfluss zum Laufzeitende fest ein. Das unterscheidet den Ansatz von offenen Fonds, bei denen Liquidität oft durch Cash-Quoten erkauft wird. Das Kapital ist hier voll investiert, und die Rückzahlung erfolgt aus den fälligen Krediten im Portfolio. Wer hingegen Liquidität in kürzerer Frist als elf Monate benötigt, sollte anderweitig investieren. Zwar sind auch unsere kurzfristigen (elf Monate) Bonds grundsätzlich handelbar, aber wir können keinen Marktplatz hierfür anbieten.
EXXECNEWS: Das Thema Impact ist oft schwer greifbar. Wie belegen Sie die Wirkung Ihrer Investments?
Feist: Impact ist hier keine Marketinghülle, sondern messbare Realität in der Bilanz. Unsere Finanzierungen erreichen über 175.000 Endkunden. Davon sind 60 Prozent im ländlichen Raum angesiedelt und fast die Hälfte sind Frauen. Das sind die Segmente, die sonst keinen Zugang zu Kapital haben.
Für professionelle Anleger werden diese sozialen Kennzahlen mit harten Finanzdaten verbunden. Ein Portfolio, das positive soziale Wirkung entfaltet, zeigt oft auch bessere Rückzahlungsquoten. Risikokennzahlen wie das „Portfolio at Risk“ werden transparent ausgewiesen. So sehen Investoren, dass der soziale Impact auf einem gesunden wirtschaftlichen Fundament steht.
Dr. Johannes Feist ist seit 2022 CEO von Mikro Kapital Management in Luxemburg (jetzt also der MK Global Kapital) und gilt als erfahrener Praktiker privatwirtschaftlicher Lösungen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Über zwei Jahrzehnte prägte der promovierte Volkswirt in leitenden Funktionen die Strategie der KfW Entwicklungsbank (unter anderem als Vice President Corporate Strategy), bevor er in den privaten Sektor wechselte.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 05-2026 erschienen.
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