Neue Beratungs- und Dokumentationslösung für AIF und Vermögensanlagen startet in Deutschland

Anlageberater und -vermittler haben eine schwer überschaubare Vielzahl von Rechtsnormen und Vorschriften zu beachten, bevor ein Anleger seinen Zeichnungsschein unterschreiben kann. Bei Fehlern drohen Haftung und Schadensersatzforderungen. Nun kommt die neue Software „Finadviser-1“ an den Markt, die diese Situation zum Wohl der Berater verändern könnte. EXXECNEWS sprach mit Christian Pohl, dem Inhaber von Pohl & Partner Consulting mit Sitz in Wien (Österreich) sowie Mitgründer und Geschäftsführer von financial it Solutions, dem Anbieter von „Finadviser-1“.

Christian Pohl
Christian Pohl

EXXECNEWS: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Beratersoftware für Deutschland zu entwickeln?

Pohl: Das war eigentlich nicht meine Idee. Ein großer Sachwerte-Vertrieb aus Deutschland hat diesen Wunsch an uns herangetragen, weil es in Deutschland nur weniger geeignete Lösungen gab. Da wir in Österreich schon spezielle Finanzsoftware für die Beratung von Investmentfonds nach neuster europäischer Gesetzgebung entwickelt haben, haben wir uns der Herausforderung gerne gestellt.

EXXECNEWS: Was waren die Anforderungen?

Pohl: Es sollte eine vollintegrierte IT-Lösung geschaffen werden, mit der Vermittler AIF und Vermögensanlagen in Deutschland beraten oder vermitteln können. Spezielle Berücksichtigung sollte eine Logik finden, welche automatisch die Anforderungen aus MiFID II, der neuen deutschen FinVermV und zivilrechtliche Haftungsrisiken in Deutschland im Hintergrund abarbeitet. Außerdem sollte ein automatischer Ex-ante-Kostenausweis erzeugt und der ausgefüllte Zeichnungsschein des jeweiligen Anbieters erstellt werden. Auch sollte die Programmierung so sein, dass auf weitere Gesetzesänderungen oder Anforderungen, wie jetzt zum Beispiel ESG, flexibel reagiert werden kann. Zusätzlich war ein explizierter Wunsch, dass die Kundendaten nicht bei einem Anbieter, Pool oder anderen Finanzmarktunternehmen verarbeitet oder gelagert werden müssen.

EXXECNEWS: Haben Sie diese Anforderungen leisten können?

Pohl: Wir mussten einiges an Entwicklungszeit, Know-how und Geld investieren, um diese „eierlegende Wollmilchsau“ für einen so speziellen Markt als unabhängige Lösung zu konzipieren. Es ist gelungen. Zwischenzeitlich haben wir das gesamte deutsche Marktangebot von AIF und Vermögensanlagen sowie auch Private Placements auf Kundenwunsch integrieren können. Das System ist pünktlich zum Start der neuen FinVermV an den Markt gekommen und es wurden seit August vergangenen Jahres schon über 20 Millionen Euro Zeichnungskapital über das System dokumentiert.

EXXECNEWS: Wie stellen Sie Themen wie DSGVO und Datenauslagerung sowie revisionssichere Speicherung sicher?

Pohl: Ähnlich wie bei MiFID II bewegen wir uns in einem europäischen Rechtsrahmen, den wir in Österreich genauso erfüllen müssen wie die Vermittler in Deutschland. Insofern war es nicht schwierig für uns, diese Anforderungen rechtlich und technisch sicher zu stellen. Im Gegenteil - da wir keine Marktteilnehmer in Deutschlande sind, ist das Feedback der Vertriebe, dass es als sehr angenehm empfunden wird, dass die Daten an einer neutralen Stelle gesichert sind.

EXXECNEWS: Wer hat das System rechtlich eingeschätzt?

Pohl: Wir hatten bei der Entwicklung ständige Unterstützung von deutschen Fachanwälten. Federführend hat Herr Rechtsanwalt Pinkernell von der Kanzlei LPA-GGV aus Hamburg uns bei der Entwicklung in Sachen Aufsichts- und Zivilrecht begleitet. Von dort wird auch das finale rechtliche Bewertungsgutachten des Systems kommen. Aber auch andere Fachanwälte, zum Beispiel der rechtliche Berater eines größeren Kunden, haben sich das System angesehen und freigegeben.

EXXECNEWS: Woher beziehen Sie die Produktdaten und Aktualisierungen?

Pohl: Derzeit liefert uns Jung, DMS & Cie. alle Produktunterlagen, Nachträge, Ex-ante-Kostenrechner, Zielmärkte und Ergänzungen, derer es für den Vertrieb der Produkte bedarf. In der Zukunft können wir uns vorstellen, diese Dinge auch direkt von den einzelnen Anbietern zu beziehen. Die Unterlagen werden dann in das System integriert und man kann Sie dokumentiert aus dem System an die Kunden versenden. Außerdem liefert das System einen eigenständigen Ex-ante-Kostenrechner auf Basis der Anbieterkostenrechner.

EXXECNEWS: Jetzt planen Sie das System in Deutschland breiter anzubieten. Warum?

Pohl: Wir haben den „Finadviser-1“ einigen Vermittlern in Deutschland vorgestellt und auch Testlizenzen vergeben. Die Reaktionen haben selbst uns überwältigt. Wir wussten nicht, dass eine solche unabhängige Lösung so viel Anklang bei den deutschen Vermittlern finden wird. Das motiviert uns natürlich noch mehr, in die Breite zu gehen.

EXXECNEWS: Was hat die Vermittler überzeugt, wie sieht Ihr Angebot aus?

Pohl: Besonders positiv haben die Vermittler das intuitive Handling, die Berücksichtigung spezifischer MiFID-II-, FinVermV- und zivilrechtlicher Haftungsrisiken in einem einfach zu bedienenden System aufgenommen. Weiterhin fanden die Vermittler toll, dass man unkompliziert seine individuelle Lösung bekommt, mit den eigenen Erstinformationen und eigenem Label. Außerdem kann man seinen Kundenbestand in das System importieren lassen, was zeitaufwändige Neuerfassung erspart. Weiterhin ist es möglich, sein Produktsortiment selbst zu bestimmen und auch die Provisionen selbst einzupflegen.

Am meisten hat die Vermittler nach unserer Wahrnehmung aber überzeugt, dass es sich um ein unabhängiges Lizenzsystem handelt, dass sie bei der Nutzung nicht von einer Plattform oder einem Anbieter von Kapitalanlagen abhängig macht. Außerdem war ihnen wichtig, dass die Daten bei einem nicht im deutschen Kapitalanlagemarkt agierenden neutralen IT-Dienstleister liegen.

EXXECNEWS: Was sagen denn Plattformen oder Intermediäre dazu?

Pohl: Jung, DMS & Cie. zum Bei spiel begrüßt den Einsatz solcher Lösungen und bietet das System seinen Partnern parallel zu den vorhandenen Lösungen an. Nach Einschätzung des Bereichsleiters Sachwerte sind alle Systeme sinnvoll, die den hybriden Vertrieb unterstützen, den Vermittlern die Arbeit erleichtern und Ihnen Rechtsunsicherheiten nehmen. Auch andere Marktteilnehmer haben sich an einer guten und rechtlich sauberen Beratungslösung für die Vermittler interessiert gezeigt. Das ist zum Vorteil der Kunden und erleichtert dem Vertrieb die Arbeit, ohne erhöhte Risiken im Bereich der Sachwerte auf sich nehmen zu müssen. Besonders begrüßt wurde für den Bereich der AIF und Vermögensanlagen die gute Integration der zivilrechtlichen Themen, die abgearbeitet werden müssen.

EXXECNEWS: Wie weit sind Sie, was kostet es und wie soll es weitergehen?

Pohl: Derzeit haben wir schon zahlreiche Anbindungen an das System und dokumentieren Vertriebe mit monatlich siebenstelligen Sachwert-Umsätzen und über 6.000 Anlegern über das System. Das System wird dabei laufend an Erkenntnisse aus der Praxis angepasst, was natürlich Geld kostet. Um die Entwicklung neben dem laufenden Betrieb sicherstellen zu können, haben wir uns bereits an einige Anbieter gewandt, uns dabei zu unterstützen und auch gerne ihre Belange mit einzubringen.

Einige Unternehmen, wie zum Beispiel Solvium, TSO oder Verifort unterstützen den „Finadviser-1“ schon und bekommen im Gegenzug Lizenzen für ihre direkt angebundenen Vertriebe. Dies ermöglicht es uns, vielen Vermittlern das erste Jahr kostenlos zu Verfügung zu stellen und dann ein „Take-off“-Angebot dranzuhängen. Jung, DMS & Cie. hat die Chance zum Beispiel sofort ergriffen, seinen Sachwertevermittlern diese kostenlose Lösung bei Bedarf – insbesondere, wenn diese noch manuell dokumentieren – zusätzlich anzubieten. Das können auch andere Anbieter und Plattformen bei uns wahrnehmen.

EXXECNEWS: Was kostet das System?

Pohl: Die monatliche Lizenz kostet 50,00 Euro. Über das Sponsoring der Anbieter können die Vermittler die Lizenz im ersten Jahr kostenlos erhalten und haben danach – wenn gewünscht – einen Nachlass für zwei Jahre auf 36,00 Euro pro Monat. Ein Einzelmakler zahlt also für die ersten drei Jahre 24,00 Euro pro Monat.

Der EXXECNEWS-Gesprächspartner Christian Pohl (50) startete seine Karriere in der IT-Branche, gründete vor 25 Jahren sein erstes Unternehmen und ist heute mit seinen IT-Lösungen zum Branchenprimus in Österreich avanciert. Seine Unternehmensgruppe serviciert heute Banken, Vertriebe und Wertpapierfirmen in den Bereichen Kundenverwaltung, Bestandsführung, Abwicklung und Provisionierung. Mit der Gründung der financial IT-Solutions GmbH in Deutschland bietet er nun einen Teil seiner Systeme auch für den Sachwerte-Bereich in Deutschland an.

http://finadviser-1.com

Das Interview ist zuerst erschienen in EXXECNEWS Ausgabe 09/2021.

www.exxecnews.de

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