Sachwertanlagen: Sparkasse Bremen bietet breites Spektrum
Sparbuch, Termingeld, Aktien- und Rentenfonds, auch Immobilien sind Anlageprodukte, die beim Angebots-Portfolio von Sparkassen in den Sinn kommen. Das breite Spektrum der Sachwertanlage, der Private Markets, wird dort weniger vermutet. Die Sparkasse Bremen AG bietet diese Investments an und das schon für kleines Geld – über ihre Tochter Sachwert Invest und in Zusammenarbeit mit dem FinTech-Unternehmen Finexity AG, Hamburg. EXXECNEWS sprach mit Jens Schneider, Geschäftsführer der Sachwert Invest GmbH.
EXXECNEWS: Die Sachwert Invest GmbH wurde 2021 als Tochtergesellschaft der Sparkasse Bremen AG gegründet. Welche Überlegungen führten zu diesem Schritt?
Jens Schneider: Eine etwas besondere Situation hier in Bremen. Die Sparkasse Bremen AG, eine der größten Sparkassen Deutschlands, ist schon immer eine komplett freie Sparkasse gewesen. Sie hat mehrere Tochterunternehmen, die – ähnlich wie wir – auch in innovativen Bereichen tätig sind.
Bei uns kam mit der Einführung des Gesetzes über elektronische Wertpapiere und dem Aufkommen der ersten Marktplätze für digitalisierte Schuldverschreibungen die Überlegung auf, wie Kundinnen und Kunden bedient werden können, die Immobilien, Sachwerte überhaupt, im Anlageportfolio haben wollen, aber häufig nicht den hohen Eigenkapitalanforderungen entsprechen können – insbesondere Kundinnen und Kunden, die bereits Investmenterfahrung haben und nun ihr Portfolio weiter diversifizieren möchten.
Zusammen mit der Finexity AG, einem erfahrenen Anbieter digitaler Assets, haben wir dann unseren Marktplatz in einer White-Label-Lösung etabliert. 2022 starteten wir mit dem ersten Projekt – einer Kita mit Wohnungen in Bremen. Dazu kam eine Wohnungslosen-Unterkunft in der Innenstadt, die an die Innere Mission vermietet ist. Aus der regionalen Ausrichtung der Sparkasse heraus, bestätigte es sich, dass gerade regionale und gesellschaftlich relevante Projekte von regionalen Kundinnen und Kunden der Sparkasse gern und erfolgreich angenommen werden.
EXXECNEWS: Ihre Website bezeichnet Sachwert Invest als eine Plattform „mit Sparkassen DNA“. Was verstehen Sie darunter?
Schneider: Die Sparkasse hat einen gesellschaftlichen Auftrag – Förderung vor Ort, Förderung der Region. Diesen Gedanken haben wir mitgenommen mit Projekten vor Ort, die auch an die Menschen vor Ort vertrieben werden. Entsprechend ist das auch unsere Hauptklientel. In unseren Projekten folgen wir diesem gesellschaftlichen Auftrag der Sparkasse beispielsweise durch Bestandsimmobilien, die langfristig an die öffentliche Hand oder an soziale Trägervereine vermietet werden.
EXXECNEWS: Wie hoch ist das bisherige Platzierungsvolumen?
Schneider: Aktuell haben wir knapp vier Millionen Euro nur in Bremen eingesammelt. Aktiv haben wir erst Anfang dieses Jahres mit parallel laufenden Projekten angefangen. Zuvor war es mehr eine Testphase, in der wir auch andere Märkte und die Zusammenarbeit mit anderen Sparkassen erschlossen haben – zum Beispiel mit der Sparkasse Mainfranken Würzburg. Gemeinsam bieten wir den Kundinnen und Kunden vor Ort jetzt Sachwert-Invest-Produkte mit Würzburger Bezug an. Wir haben Sachwert Invest als Produkt von Anfang an so aufgebaut, dass es grundsätzlich für alle Sparkassen in Deutschland nutzbar ist.
EXXECNEWS: Auf Ihrer Website stellen Sie ein junges Sachwert-Invest-Team vor, betonen gleichzeitig Erfahrung und langjähriges Know-how. Wie geht das zusammen?
Schneider: Einerseits sind dies tatsächlich Eigenschaften unseres Teams. Unser Team bringt einiges an Erfahrung beispielsweise im Bereich Immobilieninvestments und im Finanzmarkt mit. Gleichzeitig haben wir ein sehr gutes Netzwerk in den Teams der Sparkasse. Wir arbeiten sehr eng mit ihr zusammen. So ist die Sparkasse Bremen AG ein großer Finanzierer von Erneuerbaren Energien und hat eine erfahrene Immobilienabteilung von über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Für andere Investmentbereiche, beispielsweise im Bereich Wein, Kunst oder Musikinstrumente arbeiten wir mit renommierten Expertinnen und Experten zusammen, um verlässlich gute Projekte mit regionalem Bezug zu finden und anzubieten.
EXXECNEWS: Eine „niedrige Einstiegshürde“ wird als einer der Vorteile von Sachwert Invest herausgestellt. Los geht es bei Ihnen mit Investments ab 500 Euro. Sehen Sie Sachwert Invest als Crowdfunding-Unternehmen?
Schneider: Nein. Gut, je nachdem, wie der Begriff ausgelegt wird, könnte man sagen, wir machen Crowdfunding, weil wir vielen Menschen die Beteiligung an unseren Projekten anbieten. Wir aber bieten regulierte Wertpapiere an, Finanzmarktprodukte, nachrangige Inhaberschuldverschreibungen, die auf einer Blockchain verbrieft werden.
EXXECNEWS: Ihre Angebote seien „digital und flexibel“. Wie setzen Sie bei einer digitalen Zeichnung die Beratung von Anlegern um?
Schneider: Wir beraten nicht. Wir stellen den Kundinnen und Kunden digital alle Informationen zur Verfügung, die sie benötigen, um selbst eine informierte Entscheidung zu treffen. Bei unseren Produkten handelt es sich um Selbstentscheider-Produkte. Sie durchlaufen eine digitale Zeichnungsstrecke, in der sie sich zur verbindlichen Geeignetkeitsprüfung erklären und die Angaben zur Person, das KYC, machen. In der Zeichnungsstrecke sehen sie ebenfalls die Aufstellung der Kosten zum Produkt. Niemand von uns greift in diesen Prozess ein; die Investmententscheidung treffen die Anlegerinnen und Anleger allein.
EXXECNEWS: Das andere Stichwort ist „flexibel“. Etwas ungewöhnlich für typischerweise langlaufende Sachwert-Investments.
Schneider: Das ist ein Hauptteil der Möglichkeiten, den die Blockchain mit sich bringt. Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden auf unserer Plattform einen Sekundärmarkt an, auf dem sie die technische Möglichkeit haben, Angebote sowohl auf Kauf als auch auf Verkauf einzustellen, um die Anteile auch während der Laufzeit zu handeln. Das schon erwähnte Kita-Investment hat eine zehnjährige Laufzeit, entsprechend ist die Laufzeit der Inhaberschuldverschreibung. Unser Sekundärmarkt macht aus einer längerfristigen Sachwertanlage noch kein liquides Investment, ermöglicht aber die grundsätzliche Handelbarkeit. Bei Immobilienbeteiligungen werden definierte Mietüberschüsse jährlich an die Anlegerinnen und Anleger ausgeschüttet sowie am Laufzeitende ein Großteil des Verkaufserlöses.
EXXECNEWS: Bei Ihren aktuellen Zeichnungsangeboten handelt es sich um eine Gewerbeimmobilien in Bremen und – etwas außergewöhnlich – um eine Pressenda Violine und ein Waldinvestment in Kanada. Gerade für ein Waldinvestment erscheint ein Finanzierungsvolumen von 500.000 Euro überraschend gering.
Schneider: Es handelt sich um eine definierte Waldfläche in New Brunswick, dem ein Lease Back Modell zugrunde liegt. Partner für dieses Projekt ist Climate Forest Inc., die global über 100.000 Hektar Waldfläche verwaltet. Bei der Pressenda Violine handelt es sich um eine seltene und historisch bedeutsame Violine. Giovanni Francesco Pressenda war einer der bedeutendsten Geigenbauer des 19. Jahrhunderts.
EXXECNEWS: Für einen erfolgreichen Exit bei Sachwertinvestments entscheidet letztlich der Verkauf. Dazu muss es einen Markt, muss es Käufer geben. Bei Ihren Assetklassen Immobilien und Erneuerbare Energie sehe ich das. Aber wo ist der Markt bei Ihren Assetklassen „Sammlerstücke“ und „Kunst, Kultur“?
Schneider: Gerade in diesen Anlageklassen arbeiten wir von Anfang zusammen mit erfahrenen Partnern, die auch das Exit einschätzen können. Nehmen wir unser Investment „Deutsche Premium Weine 1“. Da gibt es einerseits Börsen, über die Wein gehandelt wird. Hier haben wir mit dem Bremer Ratskeller zusammengearbeitet, der zu den ältesten Weinkellern und -händlern Deutschlands zählt. Dort lagert unser Wein und wir haben ihn zusammen mit dem Bremer Ratskeller gekauft und werden ihn zusammen mit ihm verkaufen. Bei der Pressenda Violine arbeiten wir zusammen mit unserem Partner Finexity und dem Spezialisten Stephan Jansen von Jansen Fine Violine & Bows, der historische Violinen global kauft und verkauft.
Sachwert Invest ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Sparkasse Bremen AG. Durch innovative Technologien ermöglicht Sachwert Invest die Investition in Sachwerte schon mit kleinen Beträgen.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 24-2025 erschienen.
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