„Wir werden weiter wachsen und neue Geschäftsfelder erschließen“
Paribus ist ein inhabergeführtes Finanz- und Investmentunternehmen. Seit 2003 entwickelt und strukturiert Paribus Kapitalanlagen und investiert gemeinsam mit professionellen, semi-professionellen und privaten Investoren. Die Investitionsschwerpunkte liegen in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und unternehmerische Beteiligungen. Im vergangenen Jahr wurde die Geschäftsführung partiell neu besetzt. Aktuell hat Paribus durch die Übernahme der HKA Hanseatische Kapitalverwaltung GmbH, Hamburg, bekannt gemacht, dass es künftig einen Bereich Healthcare bei Paribus geben wird.
EXXECNEWS-Herausgeber Dr. Dieter E. Jansen sprach mit Hans-Henning Brand, dem neuen Geschäftsführer der Paribus Holding und Paribus Invest.
EXXECNEWS: Wird Paribus die HKA als KVG weiterführen, Mitarbeiter übernehmen und die IMMAC-Fonds so verwalten, wie es vor der Insolvenz und der Übernahme durch Ihr Haus geschah?
Hans-Henning Brand: Die HKA wird bestehen bleiben und mit weitgehend den gleichen Mitarbeitern die Tätigkeiten weiterführen. Wir stellen so die Kompetenz und die Basis für Stabilität für die Anleger sicher.
Wir sprechen aktuell mit den Mitarbeitern und verschaffen uns einen Überblick über die einzelnen Fonds, inklusive Besuch vor Ort, um ein eigenes Bild zu entwickeln und das bestmögliche Ergebnis für die jeweilige Fondssituation zu finden.
EXXECNEWS: Ist es Teil Ihres Übernahme-Konzeptes, Fonds zu strippen, auszuschlachten?
Brand: Keinesfalls. Wir sehen das Thema Pflege als nachhaltig und gesellschaftlich relevant an und haben mit der HKA eine gute Basis gefunden, uns in diesem Bereich zu positionieren. Stabilität und dem Vertrauen der Anleger langfristig gerecht zu werden, ist immer unser Antrieb – ohne dies ist kein Erfolg möglich. Wir schauen uns die vielen, zum großen Teil gut laufenden Fonds genau an, werden allerdings sicher bei einigen Fonds mit Herausforderungen Lösungen finden müssen.
EXXECNEWS: Zu den bekannten Assetklassen, die Paribus in den vergangenen Jahren vermarktet hat, gehören Immobilien und Schienenfahrzeuge. Wird das auch das Programm der Zukunft sein?
Brand: Wir werden unsere bewährte Strategie fortsetzen, so dass Immobilien und Schienenfahrzeuge auch weiterhin eine zentrale Rolle in unserem Portfolio spielen werden. Gleichzeitig prüfen wir aktiv weitere vielversprechende Assetklassen.
Insbesondere im Bereich Wohnimmobilien haben wir unsere Position durch die Übernahme einiger Fonds der d.i.i. deutlich ausgebaut. Dies ermöglicht es uns, auf einen noch größeren Fundus an Immobilien zurückzugreifen und unser umfassendes Know-how gewinnbringend für alle einzubringen.
Wir beleuchten grundsätzlich laufend zukunftsrelevante Themen, wie beispielsweise die sich verändernden Anforderungen an Wohn- und Homeoffice-Konzepten, ESG-Kriterien und die fundamentale Bedeutung von Lage und Substanzqualität von Objekten. Der aktuelle Zeitpunkt erscheint uns sehr gut für neue Wohnimmobilienangebote, da die Talsohle der Immobilienkrise erreicht sein beziehungsweise teilweise durchschritten sein sollte – auch wenn hierzu sicherlich noch kontroverse Ansichten existieren. Auch für Büroimmobilien sehen wir einen vielversprechenden Zeitpunkt, diese wieder verstärkt in den Fokus zu nehmen. Konkret haben wir mit unserem Paribus-Technologiezentrum Berlin einen exzellenten Fonds als Aushängeschild im Platzierungsangebot, mit dem wir ein klares und kräftiges Zeichen für den Immobilien-Publikumsfonds setzen.
EXXECNEWS: Sehen Sie keine Konflikte in der Imagebildung, wenn Sie für Institutionelle und auch für Privatanleger als Emittent auftreten? Wollen Institutionelle nicht eher Maßanzüge, also Club-Deals?
Brand: Wir verstehen Paribus als unternehmerische Plattform und sind ein Spezialist darin, Zugang zu interessanten Anlagemöglichkeiten zu erschließen und diese für uns und unsere Kunden investierbar zu machen. Dabei sind wir in der Lage, sowohl maßgeschneiderte Lösungen für institutionelle Investoren, die tatsächlich regelmäßig individuelle „Club-Deals“ bevorzugen oder uns Managed-Accounts anvertrauen, anzubieten als auch attraktive Angebote für Privatanleger zu schaffen. Entscheidend ist dabei letztlich doch unsere Qualität als Portfolio- und Asset Manager und dass wir die jeweiligen Produkt- und Qualitätsmerkmale passgenau auf die Bedarfslage der Zielgruppe zuschneiden.
EXXECNEWS: Sie setzen also künftig auch weiter auf den AIF?
Brand: Der alternative Investmentfonds (AIF) wird für uns weiterhin ein zentrales Vehikel bleiben. Die Reputation der Sachwertbranche hat in den letzten Jahren durch wiederkehrend negative Schlagzeilen im Bereich geschlossener Fonds spürbar gelitten. Dies ist im Bereich der „Königsklasse“ der Anlageprodukte jedoch kein neues Phänomen; die Herausforderung war und ist, diejenigen Produkte mit den besten Qualitätsmerkmalen zu identifizieren. Der AIF ermöglicht Anlegern dabei nach wie vor eine der direktesten Partizipationsmöglichkeiten an langfristigen Sachwerten – wie Immobilien –, was in Zeiten von Unsicherheiten besonders attraktiv ist. Um einen langfristigen Anlageerfolg sicherzustellen, ist es einerseits wesentlich, dass der private Investor die Chancen und Risiken der Anlage versteht, sie seinen Erfahrungen und Zielen entspricht und in die Vermögensallokation passt. Dazu empfiehlt es sich, auf die Beratung eines qualifizierten Partners zurückzugreifen. Auf der anderen Seite bedarf es eines soliden Anbieters, der den erfolgreichen Verlauf der Fonds sicherstellt. Unser Ziel ist es, Paribus als Anbieter und Marke zu positionieren und unsere Qualität als erfolgreiches, solides und marktführendes Emissionshaus und Portfolio- und Asset-Manager stärker visibel zu machen. Grundlage dafür ist unsere hervorragende Leistungsbilanz und der Anspruch, weiterhin langfristig qualitativ hochwertige und funktionierende Fondskonzepte, auch als AIF, anzubieten.
EXXECNEWS: Sie planen keinen ELTIF (European Long-Term Investment Fund) für Anleger mit 50,00 Euro Mindest-Zeichnungsvolumen?
Brand: Nein, einen ELTIF mit einem so geringen Mindestzeichnungsbeträgen planen wir nicht.
Mir erscheint das Risiko, dass der falsche Kunde in das falsche Produkt investiert, viel zu groß: Nicht jeder ELTIF ist für jeden Kunden gleichermaßen geeignet und eine langfristig ausgerichtete Sachwertanlage muss in die Vermögensstruktur passen.
Grundsätzlich beobachten wir den Markt und die Entwicklungen des ELTIF aber sehr genau.
EXXECNEWS: Denken Sie, dass sich der ELTIF durchsetzen wird?
Brand: Mit dem Inkrafttreten der überarbeiteten ELTIF-Verordnung („ELTIF 2.0“) im Januar 2024 hat die Europäische Union einen weiteren Grundstein gelegt, so dass sich der ELTIF meiner Meinung nach weiter etablieren und in Teilen auch durchsetzen wird, ja. Wegfall der Mindestanlagesumme, erweitertes Anlagespektrum, verbesserte Liquiditätsmechanismen – das sind Themen, die Anklang finden bei Beratern und Kunden.
Entscheidend für den langfristigen Anlageerfolg ist aber immer die vernünftige Diversifikation eines Vermögens – natürlich hängt dabei das Gelingen einer jeden Investition dann von der Managementqualität und den zugrunde liegenden Vermögenswerten (Underlying Assets) ab.
Wenn ein Kunde also die strategische Entscheidung getroffen hat, Sachwerte in seine Vermögensallokation aufzunehmen, stehen verschiedene offene und geschlossene Anlagevehikel zur Auswahl. Hier kann ein ELTIF durchaus eine sinnvolle Option sein.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass ein ELTIF kein Standardprodukt ist. Asset Managern stehen bei der Auflage und dem Management eines ELTIF hohe Herausforderungen bevor, angefangen beim Zulassungsverfahren bis hin zum Berichtswesen. Die regulatorischen Anforderungen sind komplex, und besonders die Abstimmung mit den Vertriebspartnern – um das neue Produkt in die Beratungs- und IT-Prozesslandschaften zu integrieren – ist extrem aufwendig. Hier müssen die Akteure noch einiges entwickeln, um Abläufe effizient und reibungslos zu gestalten. Es wird jedoch voraussichtlich nur eine Frage der Zeit sein, bis dies skalierbar umgesetzt werden kann.
EXXECNEWS: Stehen Private Equity oder Venture Capital auf dem Programm?
Brand: Venture Capital erachten wir tatsächlich als hoch spannend. Wir sind uns bewusst, dass der Zugang zu diesem Markt herausfordernd ist, da es sich oft um einen „Closed Shop“ der Marktteilnehmer handelt. Einmal etabliert, bleiben Akteure oft unter sich, Neuinvestoren haben es schwer. Viele Fonds in diesem Bereich haben Wartelisten. Dennoch und gerade deswegen bieten wir über einen Spezialfonds einem exklusiven Kundenkreis die Möglichkeit, gemeinsam mit uns zu investieren. Wir profitieren dabei von unserem Netzwerk und den Zugängen, die unser Venture-Capital-Team über viele Jahre aufgebaut hat.
EXXECNEWS: Wie sieht es aus mit Neubau von Wohn-immobilien?
Brand: Qualitativ hochwertige Neubauprojekte sind derzeit rar. Angesichts der gestiegenen Baukosten und der Zinsentwicklung haben sich viele Neubauprojekte verzögert oder sind unwirtschaftlich geworden. Im Moment konzentrieren wir uns daher im Bereich Wohnen weiterhin auf Bestandsimmobilien. Hier sehen wir aktuell die besseren Chancen, durch aktives Management und Wertschöpfung stabile Renditen für unsere Anleger zu erzielen.
EXXECNEWS: Wie wird bei Ihnen oder überhaupt unter dem Einfluss der großen, auf den Markt drängenden Emittenten, Vertrieb gemacht?
Welche Parameter bestimmen den Erfolg? Renditen? Wie bei Ihrem Spezial AIF. Dort bieten Sie etwa sieben Prozent. Wo finden Sie die Objekte?
Brand: Natürlich erzeugen die angebotenen ELTIF der größeren Anbieter eine hohe Aufmerksamkeit. Die prozessuale Integration der neuen ELTIF-Generation in der Bankenlandschaft ist jedoch, wie gesagt, bei weitem noch nicht abgeschlossen und viele Vertriebe wie auch Emittenten warten aktuell noch eine Phase der Etablierung des Vehikels ab.
Unser Vertriebserfolg im Retailbereich beruht maßgeblich auf der Zusammenarbeit mit verlässlichen Vertriebspartnern. Diese Partner sind in der Lage, die Qualität unserer Produkte und unsere umfassende Expertise richtig einzuschätzen und ihren Kunden fundierte Empfehlungen auszusprechen. Insofern setzen wir nach wie vor hauptsächlich auf die Kundenberatung vor Ort über unsere Vertriebspartner.
Wir sind davon überzeugt, dass langfristige Sachwertinvestitionen einen echten Nutzen für die Kunden stiften. Bei vielen ELTIF-Produkten muss allerdings kritisch hinterfragt werden, welche Zugeständnisse an die Investition in langfristige Sachwertinvestitionen gemacht werden über Liquiditätsquoten sowie Rückgabemöglichkeiten und welcher Nutzen tatsächlich auf die Bedürfnisse der Kunden einzahlt.
Der Erfolg unserer Angebote, wie auch unseres aktuellen Spezial-AIF im Bereich Wohnen mit einer angestrebten Rendite von rund sieben Prozent, basiert auf mehreren Säulen: Erstens, die sorgfältige Auswahl der Objekte. Zweitens, die Aufwertung der Objekte durch gezielte Investitionen und Modernisierungen. Und drittens, ein exzellentes und aktives Management der Immobilien über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dies schafft nachhaltige Werte und attraktive Renditen für unsere Anleger.
Unsere Objekte selbst finden wir vornehmlich über unser weitreichendes Netzwerk, das wir über Jahre aufgebaut und gepflegt haben.
EXXECNEWS: Welche Zeichnungsvolumen/Investitionsvolumen peilen Sie an? Welche Mindestzeichnungen?
Brand: Beim Spezial-AIF Wohnen 70 Millionen Euro mit einer Mindestzeichnung von 200.000 Euro. Für den „Paribus Technologiezentrum Berlin“ stehen uns rund 66 Millionen Euro zur Verfügung, von denen aktuell rund 32 Millionen Euro bereits gezeichnet wurden.
EXXECNEWS: Welche Vertriebsschienen nutzen Sie, wie gewinnen Sie neue Vermittler?
Brand: Nicht zuletzt dadurch, dass es momentan kaum ein Angebot an Publikums-AIF am Markt gibt, werden wir mit unserer Leistungsbilanz und dem qualitativ wertigen Produktangebot bei alten und neuen Vermittlern punkten können. Wir werden unsere langjährigen Kooperationen und Kontakte im Bankenvertrieb ebenso nutzen wie im Bereich der freien Vermittler.
Als Paribus werden wir uns aber auch als kompetenter Partner stärker visibel machen und uns um neue Partnerschaften bemühen. Bei der Suche nach neuen Vertriebskooperationen legen wir dabei Wert auf Partner, die unsere Philosophie teilen und eine hohe Beratungsqualität gewährleisten können.
EXXECNEWS: Wollen Sie den Bankenvertrieb wieder reaktivieren?
Brand: Aufgrund von vielen Schieflagen im Bereich der geschlossenen AIF und auch mangels passenden Angebots sind viele Banken nicht oder kaum aktiv. Paribus ist ein langjähriger Partner von vielen Sparkassen und Banken und wird mit dem neuen Leistungsangebot ein positives Signal setzen können. In meiner Vergangenheit haben wir als BW-Equity, als ein führender Dienstleister im Bereich der AIF, Initiatoren und deren Produkte geprüft und diese nach erteilter Produktfreigabe und Vertriebsbegleitung mit einem Fondscontrolling über die Laufzeit begleitet. Dabei stand immer die Qualität im Fokus. Es hat seinen Grund, warum ich nach über 20 Jahren Zugehörigkeit zur LBBW nun gerade zu Paribus als Anbieter gewechselt bin: Paribus besitzt eine ausgezeichnete Leistungsbilanz, ist wiederholt am Markt in Erscheinung getreten, wenn andere Emittenten und deren Fonds in Schieflage geraten sind und hat damit viel Schaden von Kunden abwenden können. Inhabergeführt, nachweislich hohe Kompetenz und gleichgerichtete Interessen wie unsere Kunden, nämlich langfristig Werte zu schaffen – das alles sind wesentliche Punkte, die auch Kundenberater überzeugen und den Qualitätsansprüchen auch von Banken gerecht werden.
EXXECNEWS: Sie denken der AIF hat Zukunft?
Brand: Das denke ich, ja. In einem gut diversifizierten Portfolio wird es zum Beispiel bei einem Core-Satellite-Ansatz auch zukünftig immer den Bedarf an gut konzipierten und soliden Fonds geben, die sich als Beimischung eignen. Ein AIF ist meines Erachtens grundsätzlich nach wie vor bestens geeignet, hierbei ein Baustein zu sein. Dabei denke ich insbesondere an den Immobilienbereich.
Ob offener Fonds, geschlossener AIF oder ELTIF – der neben der ELTIF-Verordnung ja auch zusätzlich die Vorgaben der AIFMD (Alternative Investment Fund Managers Directive) einzuhalten hat – letztendlich entscheidet immer die Qualität des Produktes über den langfristigen Erfolg und die Zukunft.
Hans-Henning Brand ist Geschäftsführer der Paribus Holding und Paribus Invest. Seit 2001 war er in verschiedenen Führungspositionen bei der Landesbank Baden-Württemberg tätig. Als langjähriger Geschäftsführer der Baden-Württembergische Equity verantwortete er die erfolgreiche Vermittlung von mehr als drei Milliarden Euro in Alternative Investmentfonds (AIF) über die Assetklassen Immobilien, Mobilien, Infrastruktur/Erneuerbare Energien und Private Equity hinweg.
Paribus ist ein inhabergeführtes Finanz- und Investmentunternehmen. Seit 2003 entwickelt und strukturiert Paribus Kapitalanlagen und investiert gemeinsam mit professionellen, semi-professionellen und privaten Investoren. Die Investitionsschwerpunkte liegen in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und unternehmerische Beteiligungen.
www.paribus.de
Die HKA Hanseatische Kapitalverwaltung GmbH (kurz: „Die Hanseatische“) konzipiert seit 2013 alternative Investmentfonds (AIF), die vor allem in Pflegeimmobilien sowie in Hotels, Wohnobjekte oder Infrastruktur investieren. Für mehr als 8.400 Anleger verwaltet sie insgesamt ein Beteiligungs- und Infrastrukturvermögen von mehr als 1,82 Milliarden Euro in 111 Fonds.
www.diehanseatische.de
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 08-2026 erschienen.