
Startups treiben die Entwicklung der Finanzbranche mit frischen Ideen und digitalen Geschäftsmodellen voran. In unserer neuen Serie „Finanz-Startups im Fokus“ stellen wir junge Unternehmen vor, die etablierte Strukturen hinterfragen und innovative Lösungen für Anleger, Unternehmen und Vermittler entwickeln. Wir beleuchten ihre Konzepte, sprechen mit den Gründern und analysieren Chancen sowie Herausforderungen. Unser Ziel: Innovationen verständlich einzuordnen und einen Blick auf die Finanzwelt von morgen zu werfen.
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tokenforge: Infrastruktur für digitale Wertpapiere
Die Digitalisierung von Finanzprodukten gilt als eines der Zukunftsthemen der Finanzbranche. Während Banken, Vermögensverwalter und Unternehmen zunehmend nach Möglichkeiten suchen, Wertpapiere und andere Vermögenswerte effizienter abzubilden, setzt das Hamburger Fintech tokenforge auf die technologische Infrastruktur hinter diesem Wandel. Das 2021 gegründete Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für die Tokenisierung von Vermögenswerten und digitalen Wertpapieren und positioniert sich an der Schnittstelle von Blockchain-Technologie und Finanzmarktregulierung. Gegründet wurde das Unternehmen von Moritz Stumpf (CEO) und Markus Kluge (CPO). Die Gründer vereinen Erfahrungen aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Produktentwicklung, E-Commerce, Compliance und Blockchain-Technologie. Die Idee für das Unternehmen, das 24 Mitarbeiter beschäftigt, entstand aus frühen Projekten im Bereich der Tokenisierung und der Beobachtung, dass es vielen Unternehmen an einer standardisierten Infrastruktur für digitale Wertpapiere fehlte. In seiner Roadmap zählt tokenforge für die eigene Wachstumsfinanzierung unter anderem eine Million Euro Eigenkapital von einem Family Office auf sowie eine Million Euro von Early Backers über einen privaten Token-Verkauf. Im Mittelpunkt des Geschäftsmodells steht die sogenannte „TokenSuite“. Dabei handelt es sich um eine modulare Plattform, die Unternehmen bei der Emission, Verwaltung und Abwicklung digitaler Wertpapiere unterstützt. Die Software deckt nach Unternehmensangaben den gesamten Lebenszyklus eines digitalen Finanzprodukts ab – von der Anlegerregistrierung und Identitätsprüfung über die technische Ausgabe der Token bis hin zur laufenden Verwaltung und Dokumentation. tokenforge erzielt seine Umsätze nach eigenen Angaben mit der Bereitstellung und Integration dieser White-Label-Softwareplattform.
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Zugang zu tokenisierten Finanzprodukten erleichtern
Die Plattform richtet sich vor allem an Banken, Finanzdienstleister, Vermögensverwalter, Emittenten und Unternehmen, die digitale Wertpapiere oder tokenisierte Vermögenswerte anbieten möchten. Über Schnittstellen können bestehende Systeme eingebunden werden. Gleichzeitig integriert die Lösung weitere Bausteine wie elektronische Signaturen, Zahlungsdienstleister sowie Verwahrstellen. Ziel ist es, die technische und regulatorische Komplexität für Kunden zu reduzieren und den Zugang zu tokenisierten Finanzprodukten zu vereinfachen. Unternehmensmotto: „Tokenisierung Made in Germany“. Anders als viele Fintechs aus dem Blockchain-Umfeld konzentriert sich tokenforge, das laut Nachfrage von EXXECNEWS seit Gründung rund vier Millionen Euro Umsatz erzielt hat, nicht auf Kryptowährungen als Anlageklasse, sondern auf die Digitalisierung bestehender Finanzprodukte. Zu den möglichen Anwendungsbereichen zählen unter anderem Unternehmensanleihen, Fonds, Beteiligungen, Immobilieninvestments sowie weitere Vermögenswerte, die als digitale Wertpapiere abgebildet werden können. Die zugrunde liegende Blockchain-Technologie dient dabei vor allem als Infrastruktur für die Emission, Verwaltung und Übertragung dieser Vermögenswerte.
Nach eigenen Angaben hat tokenforge bereits mehr als 50 Tokenisierungsprojekte in Europa begleitet. Darüber hinaus verweist das Unternehmen darauf, an einem der ersten digitalen Wertpapiere beteiligt gewesen zu sein, das den Anforderungen des deutschen Gesetzes über elektronische Wertpapiere (eWpG) entsprach (siehe Interview). Dieses Gesetz schuf die Grundlage dafür, dass bestimmte Wertpapiere in Deutschland auch ohne klassische Papierurkunde ausgegeben werden können. Ein weiterer Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf regulatorischer Konformität. tokenforge orientiert sich nach eigenen Angaben an europäischen Vorgaben wie MiCAR, MiFID II und dem deutschen eWpG. Das Unternehmen sieht regulatorische Anforderungen nicht als Hindernis, sondern als Voraussetzung für die breite Akzeptanz digitaler Wertpapiere im institutionellen Finanzmarkt. Zu den Kunden und Partnern zählen nach Unternehmensangaben Akteure aus dem Finanz- und Kapitalmarktumfeld, die Blockchain-Technologie in bestehende Geschäftsmodelle integrieren möchten. Dabei versteht sich tokenforge als Infrastruktur- und Softwareanbieter, nicht als Emittent eigener Finanzprodukte.
Mit seinem Fokus auf Tokenisierung, regulatorische Compliance und digitale Kapitalmarktinfrastruktur gehört tokenforge zu einer wachsenden Gruppe europäischer Fintechs, die die Blockchain-Technologie vor allem als Werkzeug zur Modernisierung bestehender Finanzmarktprozesse verstehen. Ziel: Die Ausgabe und Verwaltung digitaler Wertpapiere effizienter zu gestalten und die Voraussetzungen für eine breitere Nutzung tokenisierter Vermögenswerte im regulierten Finanzmarkt zu schaffen. EXXECNEWS sprach mit Moritz Stumpf, Co-Gründer und CEO von tokenforge, über die Plattform. (DFPA/MB)
EXXECNEWS: Was unterscheidet tokenforge technologisch und strategisch von anderen Web3- und Tokenisierungsanbietern?
Moritz Stumpf: Im Gegensatz zu vielen Anbietern im Markt bauen wir keine Einzellösungen, sondern eine integrierte Infrastruktur. Während andere Wallets, Emissionstools oder Marktplätze anbieten, führen wir diese Bausteine in einem System zusammen und machen sie operativ nutzbar. Unser Ansatz ist es, nicht einzelne Probleme zu lösen, sondern die Grundlage für funktionierende digitale Kapitalmärkte zu schaffen. Deshalb verstehen wir tokenforge als Management Hub, der Prozesse, regulatorische Anforderungen und Marktteilnehmer miteinander verbindet. Dabei orchestrieren wir über APIs die gesamte Wertschöpfungskette – von Custody über Registerführung bis KYC und Zahlungsabwicklung – mit etablierten, regulierten Partnern. Entscheidend ist unser „regulation-first“-Ansatz: Unsere Plattform wurde von Anfang an für regulierte Märkte gebaut und lässt sich als produktionsreife Infrastruktur in bestehende Systeme integrieren.
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EXXECNEWS: Wie überzeugen Sie traditionelle Finanzakteure davon, auf Blockchain-basierte Lösungen umzusteigen?
Stumpf: Wir überzeugen niemanden von Blockchain – wir zeigen, dass bestehende Prozesse besser funktionieren, wenn sie digital organisiert sind. Im Mittelpunkt stehen Effizienz, Kosten und Skalierbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wichtig ist, dass unsere Lösung sich nahtlos in bestehende Strukturen einfügt. Banken und Asset Manager nutzen unsere Infrastruktur im eigenen Namen, behalten ihre Kundenbeziehungen und ihre Kontrolle. Vertrauen entsteht nicht durch Technologieversprechen, sondern durch klare Rahmenbedingungen: regulatorische Standards, zertifizierte Infrastruktur und etablierte Partner. Wir agieren bewusst als Infrastruktur im Hintergrund und nicht als Gegenpartei, halten keine Kundengelder und reduzieren so operative und regulatorische Komplexität für unsere Kunden.
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EXXECNEWS: Welche Meilensteine haben für tokenforge bislang den größten Einfluss auf die Unternehmensentwicklung gehabt?
Stumpf: Ein zentraler Meilenstein war für uns die erste eWpG-konforme Emission in Deutschland im Jahr 2022. Sie hat uns die nötige Glaubwürdigkeit im Markt gegeben und gezeigt, dass unser Ansatz auch unter realen regulatorischen Bedingungen funktioniert. Die Projekte danach waren mindestens genauso wichtig, weil sie bestätigt haben, dass das Modell skalierbar ist und nicht nur im Einzelfall funktioniert. Der wichtigste Meilenstein war für uns aber kein einzelnes Event, sondern ein Übergang: der Moment, in dem wir den Sprung von „es funktioniert als Projekt“ zu „es funktioniert als Plattform“ geschafft haben. Wenn ein Kunde wie Kryptofanten nach der ersten Emission selbstständig weitere aufsetzt, dann ist das für uns der Punkt, an dem aus Technologie echte Infrastruktur wird und nicht mehr Beratung. Parallel dazu haben wir ein Partnernetzwerk aufgebaut, das die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt, von Custody über Registerführung bis hin zu KYC und Zahlungsabwicklung. Dadurch hat sich tokenforge Schritt für Schritt vom Technologieanbieter zu einem Infrastruktur-Orchestrierer entwickelt.
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EXXECNEWS: Wo sehen Sie tokenforge in fünf Jahren innerhalb der Finanzlandschaft?
Stumpf: In fünf Jahren werden Emission, Onboarding und Verwaltung digital und durchgängig integriert ablaufen. Was heute noch fragmentiert ist, wird dann als einheitlicher Prozess funktionieren. Gleichzeitig wird sich der Markt konsolidieren: weniger Einzellösungen, mehr Infrastrukturen, die den Betrieb im Hintergrund übernehmen. Tokenisierung wird dabei kein Innovationsthema mehr sein, sondern Infrastruktur – so wie Online-Banking heute. Die Frage ist dann nicht mehr, ob Kapitalmärkte digital werden, sondern wer die Systeme betreibt, die sie koordinieren. Genau dort wollen wir stehen. Unser Ziel ist nicht, die größte Plattform zu sein, sondern die, die im Hintergrund funktioniert. Im Idealfall denken unsere Kunden gar nicht mehr über Tokenisierung nach, weil sie einfach läuft – so wie heute niemand darüber nachdenkt, wie E-Mail technisch funktioniert.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 14-2026 erschienen.