Greenwashing in ESG-Fonds: Neue Namensleitlinien zeigen Wirkung – doch große Schlupflöcher bleiben
Eine Studie von Finanzwende und der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald in Kooperation mit dem Berliner NGO Facing Finance zeigt: Die im Mai 2025 eingeführten Namensleitlinien der Aufsichtsbehörde European Securities and Markets Authority (ESMA) haben zwar zu mehr Transparenz und weniger fossilen Investitionen in Fonds mit Nachhaltigkeitsbegriffen geführt. Doch viele Anbieter konnten durch eine gezielte Umbenennung ihrer Fonds weiterhin massiv in Kohle, Öl und Gas investiert bleiben.
Bei Fonds, die Begriffe wie „Sustainable“, „Environment“ oder „Impact“ im Namen tragen, gelten durch die ESMA-Leitlinien nun Mindeststandards für fossile Investitionen. Die Studie zeigt: 11,4 Milliarden Euro und damit mehr als 60 Prozent der ursprünglich betroffenen fossilen Investitionen liegen durch Namensänderungen von Fonds nun allerdings außerhalb der Gültigkeit der ESMA-Leitlinien – und die verantwortlichen Anbieter konnten so einen Verkauf ihrer fossilen Beteiligungen umgehen.
Zum Teil nutzen sie nun wohlklingende Begriffe wie „Screened“ oder „Advanced“, die ebenfalls Nachhaltigkeit ausstrahlen, aber nicht unter die neuen ESMA-Regeln fallen. Gleichzeitig liegen weiterhin 1,9 Milliarden Euro an fossilen Investitionen in Fonds, welche diese unter den neuen Regeln eigentlich hätten verkaufen müssen. Dort seien die nationalen Aufsichtsbehörden gefragt, die Einhaltung der Leitlinien konsequent zu überwachen.
Magdalena Senn, Referentin für nachhaltige Finanzmärkte bei der Bürgerbewegung Finanzwende, sagt: „Durch die ESMA-Leitlinien hat sich bei nachhaltiger Geldanlage die Spreu vom Weizen getrennt. Verbraucher*innen können sich auf dem ESG-Markt nun deutlich besser orientieren als zuvor. Doch die massenhafte kreative Umbenennung von Fonds zeigt, dass dieser Schritt nicht ausreicht, um den ESG-Markt insgesamt zukunftsgerecht zu gestalten. Auch die noch bestehenden fossilen Investitionen in ‚Nachhaltigkeits‘-Fonds bereiten uns Sorgen. Das zeigt: Regeln alleine reichen nicht – es braucht auch Aufsichtsbehörden, die ihren Auftrag konsequent erfüllen und die Einhaltung der Regeln kontrollieren.“ (DFPA/mb)
Finanzwende ist ein überparteilicher Verein mit über 20.000 Mitgliedern. Die Organisation wurde im Jahr 2018 anlässlich des zehnten Jahrestages der Lehman Brothers-Pleite gegründet. Finanzwende versteht sich als eine unabhängige Interessenvertretung von und für Bürger.