Infolge der Anpassung des ESG-Zielmarktkonzepts hat sich der nachhaltige Fondsmarkt in Deutschland stark verändert: Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen investieren deutlich häufiger in Unternehmen der Rüstungsbranche, ergibt sich aus einer Untersuchung des BVI, des Spitzenverbandes der deutschen Investmentbranche.
Hintergrund sei, dass der bisherige Ausschluss der Anlage in Unternehmen, die mehr als 10 Prozent ihrer Umsätze aus Herstellung oder Vertrieb von Rüstungsgütern erzielen, gestrichen wurde. Seit Dezember 2024 sind nur Investitionen in Hersteller völkerrechtlich geächteter Waffen untersagt. Die Anpassung biete Fondsanbietern und Anlegern angesichts der veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen mehr Flexibilität. Es lassen sich drei Ansätze unterscheiden:
- Einige Anbieter schließen Investitionen in Unternehmen der Rüstungsindustrie aus ihren Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen grundsätzlich aus, beispielsweise kirchennahe Gesellschaften.
- Andere ermöglichen Investitionen in Unternehmen mit einem geringen Anteil des Umsatzes durch Rüstungsgeschäfte (zum Beispiel bis zu 10 Prozent).
- Darüber hinaus gibt es Anbieter, die bei bestimmten Produkten auf Ausschlüsse verzichten und dadurch auch klassische Hersteller von Rüstungsgütern als Anlageobjekte in Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zulassen.
Diese Veränderungen zeigen sich bereits im ersten Halbjahr 2025 in den Portfolios. Bei aktiv verwalteten Artikel-8-Aktienfonds erhöhte sich der nach Vermögen gewichtete Anteil von Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungsindustrie („Aerospace [&] Defence“) von 0,8 Prozent zum Jahresende 2024 auf 1,3 Prozent zum 30. Juni 2025. Besonders auffällig ist der Zuwachs bei Produkten mit Anlageschwerpunkt Deutschland, die nun in Unternehmen wie Airbus und Rheinmetall anlegen können und einen Portfolioanteil von 4,6 Prozent ausweisen. In Artikel-9-Fonds wurde zur Jahresmitte erstmals überhaupt ein messbares Engagement gemeldet (0,2 Prozent). (DFPA/ljh)
Der deutsche Fondsverband BVI mit Sitz in Frankfurt am Main und Büros in Berlin und Brüssel ist Repräsentant der Investmentbranche in Deutschland.
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