AFS: Mögliche Risiken bei Neufinanzierungen von Wohnimmobilien
Auf dem Markt für Wohnimmobilien könnten sich neue Risiken für die Finanzstabilität aufbauen. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) veröffentlicht hat.
Der AFS befasst sich regelmäßig mit der Risikolage am deutschen Wohnimmobilienmarkt. Er berücksichtigt dabei nun erstmals auch die Datenerhebung über Wohnimmobilienfinanzierungen (WIFSta) der Deutschen Bundesbank. Die WIFSta verbessert insbesondere die Überwachung der Kreditvergabestandards im Neugeschäft. Erste Ergebnisse deuten angesichts eines relativ hohen Anteils von Neukrediten mit hohen Verschuldungsrelationen auf mögliche Risiken hin.
Laut WIFSta lag die durchschnittliche Darlehensvolumen-Immobilienwert-Relation (Loan-to-Value-Ratio, LTV) der im vierten Quartal 2025 neu vergebenen Wohnimmobilienfinanzierungen bei 83 Prozent. Die Haushalte verwendeten dabei im Durchschnitt knapp 38 Prozent ihres Einkommens für den Schuldendienst. Die Gesamt-Verschuldung der Haushalte entsprach im Mittel dem 6,3-fachen ihres jährlichen Einkommens. Die Gesamtlaufzeit der Kredite lag im Schnitt bei 29 Jahren. Die Kreditvergabestandards lagen damit im Mittel in einem vertretbaren Bereich.
Auffällig sei allerdings der relativ hohe Anteil von Neukrediten mit hohen Verschuldungsrelationen, auch im europäischen Vergleich. So überstieg bei 14 Prozent der Neukredite das Darlehensvolumen den Wert der finanzierten Wohnimmobilie – die LTV lag damit über 100 Prozent.
Insbesondere Kredite mit einer LTV über 100 Prozent können ein hohes Verlustpotential für Kreditinstitute bergen. Bei einem möglichen Ausfall des Kreditnehmers würde der Erlös aus dem Verkauf der Immobilie den ausstehenden Kredit möglicherweise nicht abdecken und dann Verluste für die Banken entstehen. Kredite mit einer hohen LTV bergen besonders erhöhte Risiken, wenn Kreditnehmer bereits einen großen Teil ihres Einkommens zum Begleichen von Schulden aufbringen. (DFPA/ljh)
Der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) ist das zentrale Gremium der makroprudenziellen Überwachung in Deutschland. Die makroprudenzielle Überwachung zielt darauf ab, systemische Risiken zu begrenzen und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems präventiv zu stärken. Makroprudenziell bedeutet, dass der Blick auf die Stabilität des gesamten Finanzsystems gerichtet wird. Mitglieder des AFS sind das Bundesministerium der Finanzen, die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.