Wie sich die Aktienmärkte in den kommenden Monaten entwickeln werden, wird maßgeblich von der Agenda der neuen Trump Regierung mitbestimmt werden. Warum sich in den kommenden Monaten ein höheres Engagement in Aktien auszahlen könnte und warum sich ein genauer Blick auf die Bewertung lokaler Märkte lohnt, erklärt Nelson Yu, Head of Equities beim US-amerikanischen Vermögensverwalter AllianceBernstein.
Heute wird Donald John Trump als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Die Pläne der neuen Regierung werden sich auf komplexe Weise auf Regionen, Sektoren und Unternehmen auswirken. Da der Weg von Wahlversprechen zu politischen Maßnahmen nie geradlinig verläuft, sollten sich Anleger bei der Portfolioallokation weiterhin verstärkt auf Fundamentaldaten und mögliche Investmentziele konzentrieren, um ihre Portfolios für die bevorstehenden Richtungswechsel zu positionieren, meint Yu. Veränderte Ertragsmuster sind Ausdruck einer Welt im Wandel. Die geopolitische Lage bleibe auch in 2025 angespannt.
Die Richtung des politischen Wandels wurde von Trump klar vorgegeben. Höhere Zölle, niedrigere Steuern, weniger Regulierung und Subventionskürzungen gehören zu Trumps wirtschaftspolitischen Schwerpunkten. Es wird erwartet, dass er gleich am ersten Tag einige Änderungen durch Exekutivverordnungen vornimmt. Doch es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis politische Details formuliert und gesetzlich verankert sind.
Der vorgeschlagene Maßnahmenmix werde wahrscheinlich zu einem höheren Staatsdefizit und einer höheren Inflation in den USA führen. Diese Erwartung spiegele sich an den Finanzmärkten wider, die aktuell steigende US-Anleiherenditen und einer steileren Zinskurve für Staatsanleihen zeigen. Ein potenziell inflationäres Umfeld mache für Anleger ein höheres Engagement an den Aktienmärkten umso notwendiger. Die Untersuchungen von AllianceBernstein zeige, dass Aktien über mehr als ein Jahrhundert hinweg in diesem Umfeld gute Dienste geleistet haben, indem sie die Inflationsraten übertrafen – oder positive reale Erträge erzielten. Anleger, die sich auf eine abflauende Konjunktur eingestellt haben, sollten daher überlegen, sich auf eine mögliche Beschleunigung des US-Wirtschaftswachstums im nächsten Jahr und einen leichten Anstieg der Inflation vorzubereiten – insbesondere auch, nachdem der US-Verbraucherpreisindex von einem Höchststand von 9,1 Prozent im Juni 2022 auf 2,6 Prozent im Oktober 2024 gesunken ist.
Allerdings habe Trumps Politik auch das Potenzial, zu einer größeren wirtschaftlichen Divergenz weltweit zu führen. So könnten etwa höhere Zölle das Wachstum insbesondere in China und Europa bremsen. Wenn die USA die Unterstützung für die NATO reduzieren und die Mitglieder zu höheren Ausgaben drängen, ist zudem mit höheren Haushaltsdefiziten in ganz Europa zu rechnen.
Wie sich potenzielle Subventionskürzungen auswirken, bleibe abzuwarten. Selbst wenn die Regierung mehr Bohrungen nach fossilen Brennstoffen zulässt, könnten Subventionen für Erneuerbare-Energie-Projekte nicht über Nacht verschwinden – vor allem auch, weil diese insbesondere in republikanischen Bundesstaaten Arbeitsplätze geschaffen haben. Trumps angekündigte Maßnahmen bei der Infrastrukturentwicklung könnten auch bedeuten, dass einige Subventionen aus der Biden-Ära überleben.
US-Aktien hätten Nicht-US-Aktien seit mehr als einem Jahrzehnt übertroffen und damit die US-Bewertungen nahe an ihr höchstes Niveau seit 1996 gebracht. Europäische und japanische Märkte sind dadurch relativ günstig. Die Bewertungen in den USA wurden insbesondere durch Mega-Caps befeuert. Die „Glorreichen Sieben“ schwammen auch 2024 auf einer Welle der Begeisterung für künstliche Intelligenz. Änderungen der Regulierung – und eine mögliche Deregulierung – werden als Segen für Mega-Caps gesehen. Die Ergebnisse dürften jedoch nicht eindimensional sein und haben das Potenzial, eine Vielzahl von Unternehmen in verschiedenen Sektoren zu unterstützen. Ein diversifiziertes Aktienengagement in eine breitere Palette von US-Unternehmen könnte dabei das Instrument der Wahl sein, um Gewinne und Ertragspotenziale mitzunehmen, die in den kommenden Jahren möglicherweise freigesetzt werden. (DFPA/ljh)
AllianceBernstein L.P., ist ein globales Vermögensverwaltungs- und Research-Unternehmen mit Hauptsitz in Nashville, Tennessee, USA, und einem verwalteten Vermögen von 806 Milliarden US-Dollar.
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