Trotz wachsender Eigenverantwortung bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge verfügen viele Menschen weiterhin nur über geringe Finanzkenntnisse. Das geht aus dem aktuellen Financial Literacy Report von Allianz Research hervor.
Die Studie zeigt zudem, dass Künstliche Intelligenz zwar den Zugang zu Finanzinformationen erleichtert, fehlendes Finanzwissen und individualisierte Finanzbildung jedoch nicht ersetzen kann.
Für die vierte Ausgabe der alle drei Jahre erscheinenden Studie befragte Allianz Research mehr als 8.000 Menschen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und den USA. Demnach verfügen lediglich 17 Prozent der Befragten über ein hohes Maß an Finanzkompetenz, während mehr als ein Viertel nur geringe Kenntnisse aufweist. Deutschland liegt mit einem Anteil von 22 Prozent finanziell gut informierter Teilnehmer gemeinsam mit Österreich hinter Großbritannien (23 Prozent). Schlusslichter sind Frankreich mit elf Prozent und die USA mit 13 Prozent. Gegenüber der Erhebung von 2023 habe sich das Bild kaum verändert.
Nach Berechnungen der Allianz könnten Haushalte ihre Vermögen deutlich steigern, ohne mehr Geld zurückzulegen. Würde die Hälfte der Bankeinlagen gleichmäßig in Staatsanleihen und Aktien investiert, wären die jährlichen Renditen in allen untersuchten Ländern höher ausgefallen. Für Deutschland errechnet die Studie einen inflationsbereinigten Vermögenszuwachs von rund 11.700 Euro pro Kopf über einen Zeitraum von 20 Jahren.
Besonders schlecht vorbereitet auf die wachsende Eigenverantwortung seien Frauen, junge Menschen und Personen mit geringer Bildung. Nur elf Prozent der Frauen erreichen ein hohes Niveau finanzieller Bildung, gegenüber 24 Prozent der Männer. In der Generation Z verfügen lediglich zwölf Prozent über hohe Finanzkompetenz, bei den Babyboomern sind es 22 Prozent. Als stärkster Einflussfaktor gilt der Bildungsgrad: Unter Personen mit einfacher Schulbildung erreichen lediglich fünf Prozent ein hohes Finanzwissensniveau, bei Hochschulabsolventen sind es 24 Prozent.
Zugleich gewinnt Künstliche Intelligenz als Informationsquelle an Bedeutung. Bereits 14 Prozent der Befragten nennen KI als wichtigste Quelle für Finanzratschläge, in der Generation Z sind es 26 Prozent. Fast die Hälfte nutzt KI mindestens einmal pro Woche. Die Studie kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass KI-Nutzer ihre Finanzkenntnisse häufiger überschätzen, ohne tatsächlich besser informiert zu sein als andere. KI könne professionelle Beratung ergänzen, ersetze aber weder grundlegendes Finanzwissen noch die Fähigkeit, Empfehlungen kritisch zu bewerten.
Allianz sieht deshalb Politik, Arbeitgeber und Finanzbranche gleichermaßen in der Pflicht, die Finanzbildung zu stärken. Regierungen sollten Finanzwissen stärker in der Bildung verankern, Unternehmen ihre Beschäftigten bei Finanzfragen unterstützen und Finanzinstitute verständlichere Produkte sowie leicht zugängliche Beratungsangebote entwickeln. Als Beitrag dazu kündigte der Versicherer den Start einer kostenlosen Online-Lernplattform unter dem Namen „Allianz School for Life“ an. (DFPA/abg)
Den Report finden Sie hier.
Die Allianz SE ist ein international tätiger Versicherungskonzern mit Sitz in München. Das 1890 gegründete Unternehmen beschäftigt weltweit rund 144.000 Mitarbeiter und verwaltet für rund 78 Millionen Kunden in mehr als 70 Ländern Kapitalanlagen im Wert von 1,3 Billionen Euro. Mit rund 9.000 Vertretern und über 30.000 Mitarbeitern erwirtschaftet die Allianz Deutschland AG einen Umsatz von rund 30 Milliarden Euro (per 31. Dezember 2013) und trägt damit etwa ein Viertel zum Konzernumsatz bei.