Nach zwei außergewöhnlich starken Jahren an den Kapitalmärkten erwarten viele Anlegerinnen und Anleger auch 2026 ein grundsätzlich konstruktives Umfeld. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Frage, ob die Märkte weiter steigen, sondern wie eine kluge Anlagestrategie in einem differenzierter werdenden Umfeld aussehen sollte.
Nach Einschätzung der Marktstrategen des österreichischen Vermögensverwalters Raiffeisen Capital Management sprechen solides globales Wachstum, rückläufige Inflation und eine schrittweise lockerere Geldpolitik – zumindest in den USA – für weiter unterstützende Rahmenbedingungen für Risikoanlagen. Zugleich nehmen politische Unsicherheiten, Bewertungsrisiken und regionale Unterschiede zu, was thematische Allokationen, regionale Streuung und bewusste Diversifikation wichtiger macht.
Als zentraler Trend gilt 2026 weiterhin die Künstliche Intelligenz: Der Fokus verschiebt sich von Erwartungen hin zur Monetarisierung, während große Tech-Konzerne und Hyperscaler Milliarden in Rechenzentren, Chips, Netze und Energieversorgung investieren. KI-Anwendungen durchdringen zunehmend die Realwirtschaft, steigern Produktivität und eröffnen neue Geschäftsmodelle in Industrie, Gesundheit, Finanzdienstleistungen und Infrastruktur – trotz teils hoher Bewertungen, die durch starke Cashflows und Margen untermauert werden.
Auch die Schwellenländer bleiben ein wichtiger Baustein der Anlagestrategie. Emerging Markets leisten inzwischen einen Großteil des globalen Wachstums, wobei Asien mit Korea, Taiwan, China und Indien als Treiber gilt. Ergänzt wird das Bild durch Lateinamerika und Teile Osteuropas mit attraktiven Bewertungen, hohen Realzinsen und Reformfortschritten; entscheidend ist 2026 weniger eine breite Rallye als vielmehr eine selektive, regional differenzierte Allokation.
Zentral- und Osteuropa (CEE) rücken zusätzlich in den Fokus. Die Region wächst strukturell schneller als die Eurozone, profitiert von EU-Mitteln, Nearshoring und der industriellen Verflechtung mit Westeuropa und verbindet damit Schwellenländer-Dynamik mit europäischer Stabilität. Eine Schlüsselrolle kommt zudem Infrastrukturinvestitionen zu: Getrieben von Energiewende, Digitalisierung, Urbanisierung und Lieferketten-Resilienz entwickeln sich Infrastrukturprojekte vom defensiven Beimischungsthema zur Wachstumsstory – insbesondere auch durch umfangreiche Programme in Deutschland.
Europa selbst könnte 2026 vom Sorgenkind zum Comeback-Kandidaten werden. Niedrige Erwartungen, moderate Bewertungen, fiskalische Impulse und eine sich stabilisierende Konjunktur eröffnen Chancen, etwa durch eine breitere Marktteilnahme und eine mögliche Rotation hin zu Substanzwerten sowie Small und Mid Caps. Nach dem starken Jahr 2025 gewinnt schließlich Diversifikation nochmals an Bedeutung: Angesichts politischer Risiken, geopolitischer Spannungen und hoher Marktkonzentration rücken regionale Streuung, thematische Breite und der gezielte Einsatz verschiedener Anlageklassen unter Einbezug von Währungsrisiken wieder stärker in den Vordergrund. (DFPA/abg)
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Raiffeisen Capital Management ist ein Asset Manager mit Sitz in Wien.