Nach den kräftigen Zinsanstiegen der vergangenen Jahre starten die Rentenmärkte aus Sicht von Experten mit deutlich besseren Voraussetzungen in das Jahr 2026. Höhere laufende Renditen machten Anleihen wieder attraktiv und böten zugleich einen Puffer gegen Marktschwankungen.
Gleichzeitig bleibe das Umfeld von Unsicherheiten geprägt, etwa durch Inflationsrisiken, hohe Staatsverschuldung und politische Einflussnahme auf Notenbanken. „Die laufende Verzinsung bietet eine überzeugende Ertragserwartung“, sagt Michael Weidner, Portfoliomanager und Co-Head Global Fixed Income bei Lazard Asset Management. Die geldpolitischen Erwartungen hätten sich zuletzt stabilisiert, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. In der Eurozone rechneten die Märkte kaum noch mit weiteren Zinsschritten der Europäischen Zentralbank. Ein Leitzins um zwei Prozent sei weniger Zielwert als vielmehr das Ergebnis verschiedener Szenarien.
Volatiler stelle sich die Lage in den USA dar. Zwar seien Zinssenkungen weiter eingepreist, ihr tatsächlicher Spielraum erscheine jedoch begrenzt. Politischer Druck auf die US-Notenbank verstärke zusätzlich die Unsicherheit. Insgesamt dürften langfristige Renditen weltweit höher bleiben, gestützt durch moderates Wachstum, historisch enge Arbeitsmärkte und strukturell hohe Staatsdefizite.
Diese Faktoren führten dazu, dass Zinsmärkte stärker von fundamentalen Rahmenbedingungen geprägt würden und weniger allein von Zentralbankentscheidungen. In vielen Industrieländern sei daher mit steileren Zinskurven am langen Laufzeitenende zu rechnen – besonders ausgeprägt in der Eurozone, etwas weniger in Großbritannien und den USA. Auffällig sei zudem Japan, wo sich die Zinskurve zeitweise zur steilsten weltweit entwickelt habe.
In Europa stehe Frankreich im Fokus vieler Investoren. Trotz hoher Defizite und politischer Handlungsunfähigkeit fielen die Marktreaktionen bislang moderat aus. Französische Staatsanleihen würden häufig als Stellvertreter für das Risiko der gesamten Eurozone gesehen, was die Risikoaufschläge begrenze.
An den Kreditmärkten bleiben die Spreads sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Segment eng. Der Spielraum für Fehler sei damit begrenzt, dennoch gebe es selektive Chancen. Als Beispiel nennt Weidner den nordischen Hochzinsmarkt mit vergleichsweise hoher Transparenz, guter Besicherung und soliden Fundamentaldaten. Auch dänische Pfandbriefe böten im aktuellen Umfeld ein attraktives Risiko-Ertrags-Profil.
Zunehmend in den Blick rücken zudem Anleihen aus Schwellenländern. Sinkende Leitzinsen und ein schwächerer US-Dollar hätten das Interesse belebt, für europäische Investoren bleibe jedoch das Währungsmanagement entscheidend. Ungesicherte Engagements könnten zusätzliche Erträge liefern, gingen aber mit höherer Volatilität einher.
„Wir gehen mit einem deutlich besseren Zinsausgangsniveau in das Jahr 2026“, betont Weidner. Gleichzeitig seien selektive Allokationen und aktives Management wichtiger denn je, da sich die globale Zinslandschaft weiter auseinanderentwickle. (DFPA/abg)
Als indirekte Tochtergesellschaft von Lazard Ltd bietet Lazard Asset Management (LAM) weltweit eine breite Palette von Aktien-, Anleihen- und alternativen Investmentprodukten.