Der Vertrauensverlust in die Bundesregierung erfasst zunehmend die Wirtschaft. Laut einer Umfrage des internationalen Kreditversicherers Atradius unter rund 340 Unternehmen fühlen sich 72 Prozent der Befragten von der Politik bei den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen nicht ausreichend unterstützt – ganze 29 Prozent davon fühlen sich sogar überhaupt nicht unterstützt. Gleichzeitig bewertet knapp die Hälfte der Befragten die Attraktivität ihres Unternehmensstandorts als geringer.
Die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln in Deutschland verschlechterten sich spürbar. 43 Prozent der Befragten bewerten die Attraktivität ihres Standorts im Vergleich zum Vorjahr angesichts steigender Abgaben, anhaltenden Fachkräftemangels und hoher Energiepreise als gesunken. Parallel dazu gerät die Unternehmensfinanzierung unter Druck. 22 Prozent berichten von einem verschlechterten Zugang zu Finanzierungsmitteln in den vergangenen zwölf Monaten. Lediglich drei Prozent verzeichnen eine Verbesserung. Für Unternehmen, die Investitionen mit Fremdkapital stemmen müssen, verschärfe das die ohnehin angespannte Lage erheblich.
Ein wesentlicher Treiber der Belastungen liegt außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen. Mehr als zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) spüren die Folgen geopolitischer Spannungen bereits jetzt in ihren Lieferkettenkosten. Weitere 21 Prozent erwarten spürbare Folgen innerhalb der nächsten zwölf Monate. Am stärksten belasten die Unternehmen steigende Transportkosten (78 Prozent), höhere Einkaufspreise für Rohstoffe und Vorprodukte (75 Prozent) sowie höhere Energiepreise (75 Prozent). Rund die Hälfte der Unternehmen leidet zusätzlich unter größerer Planungsunsicherheit. Jedes dritte Unternehmen schließe einen Produktionsstopp zudem teilweise nicht aus. (DFPA/mb)
Atradius N.V. ist ein internationaler Kreditversicherer.