Der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump wurde weltweit mit Spannung wahrgenommen. „Wir sehen eine große Unsicherheit an den Märkten und tatsächlich könnte das Jahr 2025 einige Überraschungen bereithalten“, sagt Desiree Sauer, Investmentstrategin bei dem Vermögensverwalter Lazard Asset Management. Wahrscheinlich ist aus ihrer Sicht, dass sich die wirtschaftliche Kluft zwischen den USA und dem Rest der Welt unter der neuen US-Regierung weiter vergrößern wird.
Zum einen dürfte die neue US-Administration auf eine Verlängerung der Steuersenkungen von 2017 drängen, was US-Unternehmen weiter stärken könnte. Zum anderen dürften die Deregulierungsagenda des neuen Präsidenten und geringere behördliche Kontrollen ein wirtschaftsfreundliches Umfeld schaffen, das Fusionen und Übernahmen begünstige. „Dennoch bringen protektionistische Maßnahmen wie neue Zölle auch Risiken mit sich“, erklärt Sauer. „Höhere Importkosten könnten auf die Konsumenten abgewälzt werden, was zu einem Inflationsanstieg führen könnte.“ Allerdings dürfte der inflationäre Effekt begrenzt bleiben, da die USA in vielen Bereichen recht autark seien und Zweitrundeneffekte wie Lohnerhöhungen ausbleiben könnten. Geplante Steuererleichterungen für private Haushalte könnten die negativen Effekte zusätzlich kompensieren. Problematisch seien darüber hinaus die möglichen Folgen der neuen restriktiven Immigrationspolitik: „Eine groß angelegte Abschiebung von Arbeitskräften hätte nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen: Fehlende Arbeitskräfte könnten das Wachstum bremsen und Löhne erhöhen, was wiederum die Produktionskosten steigen ließe“, so Sauer.
„America First“: Folgen für andere Regionen
Der wirtschaftliche Vorsprung der USA gegenüber anderen Regionen sei jedoch schon lange im Gang. „Einer der Gründe dafür ist die enorme Arbeitsproduktivität in den USA“, sagt Sauer. Trumps „America First“-Politik dürfte besonders Länder mit hohen Handelsbilanzdefiziten wie China und die Eurozone treffen. In der Eurozone könnten entsprechende Maßnahmen der neuen US-Regierung bestehende Wettbewerbsprobleme verschärfen. Für die Eurozone sei auch die Entwicklung des Ukrainekonflikts entscheidend. Sollte die US-Regierung diesbezügliche Ankündigungen aus dem Wahlkampf wahrmachen, müsse die Eurozone möglicherweise künftig die Hauptlast der Unterstützung für die Ukraine tragen. Gleichzeitig bestehe jedoch eine Chance auf einen Waffenstillstand, was positive Effekte haben könnte.
China dürfte unter den künftigen Maßnahmen der neuen Akteure im Weißen Haus noch stärker leiden. Das Wirtschaftswachstum des Landes habe sich dank staatlicher Maßnahmen zwar erholt, bleibe jedoch durch den Immobiliensektor und die Handelskonflikte belastet.
Die neue US-Administration bringe Chancen und Risiken mit sich. Während die US-Wirtschaft von Steuersenkungen, Deregulierung und hoher Produktivität profitiere, würden protektionistische Maßnahmen und geopolitische Spannungen eine Herausforderung für andere Regionen darstellen. „Anlegern bietet sich ein differenziertes Bild: US-Aktien, besonders Small Caps, blieben attraktiv, während selektiv Chancen bei europäischen und skandinavischen Rentenanlagen bestehen“, so Sauer. (DFPA/mb1)
Lazard Asset Management (LAM) ist eine indirekte Tochtergesellschaft von Lazard Ltd und bietet Aktien-, Anleihen- und alternative Investmentprodukte.
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