Wie steht es um die Assetklasse Einzelhandel in Deutschland? Dieser Frage sind Gabriele Friedl, Senior-Produktspezialistin von der BayernLB, Lars Jähnichen, Geschäftsführer der IPH Gruppe, Maximilian Ludwig, Head of Asset Management DACH (Deutschland, Österreich und Schweiz) von der Real I.S. sowie Dirk Wehinger, Geschäftsführer von Argon, bei der gemeinsamen Pressekonferenz „Ausblick Handelsimmobilien 2025“ nachgegangen.
Die ökonomischen Rahmenbedingungen für den Handel in Deutschland bleiben auch 2025 herausfordernd. Die Verunsicherung der Verbraucher sei groß, das Konsumklima verhalten. Entsprechend hoch sei die Sparneigung. Die BayernLB geht in ihrer aktuellen Prognose von einer weiterhin insgesamt schwachen wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum und einer langfristigen Zinsniveau von 2,5 bis 3,0 Prozent aus.
„Der Handelsimmobilienbestand in Deutschland wird in den nächsten Jahren intensiver in der Finanzierung und Bewirtschaftung sein. Als finanzierende Bank müssen wir deshalb heute zwingend eine Perspektive für das Objekt erkennen können“, kommentiert Friedl. Bei innerstädtischen Geschäftshäusern und anderen Handelsimmobilien sei ein detaillierter Prüfungsprozess erforderlich. Auch die Wirtschaftlichkeit eines Umbaus oder einer Umwandlung einer Einzelhandelsimmobilie sowie die ESG-Kriterien der Immobile erforderten eine intensive Prüfung.
Der Fokus bei Einzelhandelsimmobilien läge heute und in den kommenden Jahren klar auf Bestandsentwicklungen. „Der Repositionierungsbedarf von Shoppingcentern in Deutschland ist enorm groß, für viele Objekte steht 2025 zudem ein Betreiberwechsel an. Eigentümer suchen Professionalität, denn ein Objekt kann man nur voranbringen, wenn man es aktiv gestaltet und nicht nur verwaltet. Eigentümer von Shoppingcenter brauchen dafür nicht nur eine permanente Investitionsbereitschaft, sondern auch eine klare Positionierung der Objekte und eine schlüssige Story – für die Mieter und alle weiteren Marktteilnehmer“, erläutert Jähnichen.
„Die Bodenbildung in der Assetklasse Retail scheint erreicht. Die Zinsentwicklung dürfte für eine höhere Investitionsbereitschaft und für ein Transaktionsvolumen 2025 sorgen, das mindestens das Niveau von 2024 erreichen dürfte, ggf. werden wir sogar eine verhaltene Steigerung sehen“, sagt Ludwig.
„Als Teil eines langfristig orientierten Family Office sind wir vielfältig aufgestellt und beschäftigen uns hausintern mit Immobilien im In- und Ausland, Wertpapieren, Beteiligungen und eigenen Handelskonzepten. Attraktive Renditen sind im Immobilien- und speziell im Einzelhandelsimmobilienbereich – etwa im Vergleich zu sonstigen Anlagen – seit einigen Jahren nicht mehr leicht zu erzielen. Für unsere Investments in Einzelhandelsimmobilien sind wir deshalb sehr stark an Verkehrsknotenpunkten interessiert und suchen hier die natürliche Frequenz“, erläutert Wehinger von Argon.
Handel funktioniere nur noch, wenn es am Standort einen natürlichen Besucherfluss gibt. Handel brauche Frequenz, aber das Potenzial des Einzelhandels, selbst Frequenz zu generieren, werde immer begrenzter. (DFPA/mb1)