Die laufende Berichtssaison fällt ungewöhnlich stark aus: Gewinne und Umsätze wachsen deutlich, vor allem im US-Markt. Gleichzeitig konzentriert sich die Dynamik auf KI-nahe Geschäftsmodelle und die zugehörige Infrastruktur. Neben dem anhaltenden Investitionsschub mehren sich jedoch auch Hinweise auf ein spätzyklisches Marktumfeld. Ingo Koczwara, Portfoliomanager des Vermögensverwalters Eyb [&] Wallwitz, ordnet die aktuellen Entwicklungen ein.
Die Zahlen zum ersten Quartal fielen vor allem in den USA außergewöhnlich stark aus. Ein großer Teil der Marktperformance entfällt auf wenige KI-nahe Chipwerte, während andere Bereiche deutlich weniger zum Aufwärtstrend beitragen.
Der Markt bewertet die Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend differenziert. Während Unternehmen wie Alphabet, Microsoft und Apple mit ihren Zahlen überzeugten, fielen die Reaktionen bei Meta und Amazon verhaltener aus. Dort standen weniger die kurzfristigen Umsatzimpulse im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie belastbar die Ertragsdynamik angesichts stark steigender Investitionsausgaben bleibt. Genau darin zeigt sich eine wichtige Verschiebung: Der Markt honoriere nicht jede KI-Erzählung gleichermaßen, sondern unterscheide zunehmend zwischen den Unternehmen, die den Investitionszyklus finanzieren, und jenen, die unmittelbar von ihm profitieren.
Trotz der starken Gewinnentwicklung mehrten sich Anzeichen für ein spätzyklisches Umfeld. Das Konsumentenvertrauen ist rückläufig, geopolitische Risiken bleiben präsent, und die Zinsen – insbesondere am langen Ende – sind hoch geblieben. Auf der einen Seite stehen starke Unternehmenszahlen und hohe Investitionserwartungen, auf der anderen Seite ein Finanzierungsumfeld, das weniger unterstützend wirkt als in früheren Aufschwungphasen. Als weiteres Warnsignal gelte, dass sehr große Börsengänge in der Pipeline stehen. Wenn hoch bewertete Marktführer zu Spitzenbewertungen an den Kapitalmarkt drängen, erinnere das an vergangene späte Phasen eines Zyklus, in denen viel Optimismus bereits in den Kursen enthalten war.
Für Anleger spreche vieles dafür, an den strukturellen KI-Trends beteiligt zu bleiben, ohne die Risiken einer fortgeschrittenen Marktphase zu unterschätzen. Entscheidend ist ein selektiver Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von den großen Plattformanbietern über Chipproduzenten bis hin zu Infrastrukturunternehmen. (DFPA/mb)
Die Eyb [&] Wallwitz Vermögensmanagement GmbH ist ein Vermögensverwalter mit Sitz in München und Frankfurt.