Deutschland ist Europas größter Standort für moderne Rechenzentren − und Frankfurt sein Herzstück. Dort stößt die Entwicklung aber derzeit an Grenzen, warnt Deutsche Bank Research in einer aktuellen Studie.
Rechenzentren benötigen viel Platz. Wegen begrenzter Flächen legte die Stadt Frankfurt 2022 ein Konzept für Rechenzentren vor und wies Eignungsgebiete aus. Doch dort sind bereits vier Jahre später kaum noch freie Fläche vorhanden. Weitere Flächen auszuweisen wäre eine Option. Die sehr rentablen Rechenzentren erhöhen jedoch die Bodenpreise, teilweise kräftig. Dies kann zulasten anderer Branchen und der Gesamtwirtschaft gehen.
Noch knapper als die Flächen wird mittlerweile Strom. Dabei konkurrieren die Rechenzentren sowohl untereinander als auch mit der allgemeinen Elektrifizierung, von Elektrofahrzeugen bis zu Stromheizungen. Es besteht folglich ein Konflikt mit den ambitionierten Klimazielen der Stadt.
Entschärft wird die Situation durch energieeffizientere sowie vom Stromnetz autarke Rechenzentren. Noch wichtiger ist mittelfristig der Kapazitätsausbau der lokalen und regionalen Strominfrastruktur. Langfristig verspricht die Anbindung an neue nationale Stromautobahnen eine wichtige Entlastung.
Die Stromengpässe dürften bis 2030 lediglich abgemildert werden. Der Bau von Rechenzentren dürfte daher kurzfristig an Dynamik verlieren. Erst in den 2030er Jahren könnten die neuen Stromautobahnen den Ausbau wieder forcieren. Damit rückt aktuell das Frankfurter Umland noch stärker in den Fokus. Dort gibt es zahlreiche Neubau- und Großprojekte. Einige schreiten wie geplant voran, andere drohen am Widerstand aus Politik und Bürgerinitiativen zu scheitern.
Alle beschriebenen Entwicklungen hätten aufgrund der ambitionierten Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung eine nationale Bedeutung. Bis 2030 soll bundesweit eine Verdopplung der Rechenzentrums- und eine Vervierfachung der KI-Kapazitäten erfolgen. Es könnte helfen, auf nationaler Ebene Anreize zu schaffen, um die lokalen Zielkonflikte insbesondere den ambivalenten gesamtwirtschaftlichen Effekt zu reduzieren.
Trotz der beschriebenen Engpässe und Zielkonflikte wird Frankfurt ein wichtiger nationaler wie auch internationaler Hub für Rechenzentren bleiben und an Bedeutung kräftig zunehmen. Dafür sprechen die starke historisch gewachsene Marktposition bei gleichzeitig hoher aktueller Nachfrage. (DFPA/ljh)
Deutsche Bank Research verantwortet die volkswirtschaftliche Analyse in der Deutsche Bank Gruppe und berät die Bank, ihre Kunden und Stakeholder.
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