Am kommenden Sonntag wird in Deutschland der neue Bundestag gewählt. Wer im einzelnen demnächst auf der Regierungsbank Platz nehmen wird, ist noch offen. Klare Vorstellungen über die künftige Politik äußersten prominente Stimmen des Kapitalmarktes.
Die Bundestagswahl könnte Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung bringen – sofern die Schuldenbremse reformiert wird, meint John Taylor, Head of European Fixed Income and Director of Global Multisector bei AllianceBernstein: Wegen Deutschlands wirtschaftlicher Schwächen dürfte die Europäische Zentralbank EZB ihre lockere Geldpolitik jedoch fortsetzen.
Die Bundestagswahl sei eine große Chance für den gesamten deutschen Aktienmarkt, meint Robert Barnjak, Fund Manager Equity, Vice President der Laiqon-Gruppe, sofern sie zu einer konsequenten Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führt. Dazu gehöre ein breit angelegtes Konjunkturprogramm, ein Abbau der überbordenden Bürokratie und eine Reform der Schuldenbremse.
Eine Mehrheit der Bundesbürger wünsche sich einen Neustart bei der privaten Altersvorsorge, sagt Thimm Blickensdorf, Geschäftsführer der growney, einer der größten digitalen Vermögensverwalter Deutschlands: Eine steuerbegünstigte Altersvorsorge ermögliche es den Menschen, deutlich mehr Vermögen aufzubauen, das sie im Alter absichert.
lesen Sie nachfolgend ein Statement von Stefan Keller, Senior Asset Allocation Strategist bei Candriam, zu den Auswirkungen der Bundestagswahl auf die Märkte und die Anlagestrategie des Asset Managers:
Ein möglicher Regierungswechsel könne zu Diskussionen über die Reform der Schuldenbremse führen. Eine CDU-geführte Koalition mit der SPD oder den Grünen könnte zu mehr fiskalischer Flexibilität führen und öffentliche Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Verteidigung und grüne Energie fördern, meint Stefan Keller, Senior Asset Allocation Strategist bei Candriam: Sollte Deutschland seine fiskalischen Restriktionen lockern, könnten sich die Konjunkturaussichten in der EU insgesamt verbessern, was das Wirtschaftswachstum und die Stabilität der europäischen Finanzmärkte fördern würde.
„Je nach Koalitionsmöglichkeiten und der Zweidrittelmehrheitsfrage hinsichtlich einer denkbaren Anpassung der Schuldengrenze könnte manch hochgehegte Hoffnung für einen großen deutschen Fiskalschub für die Eurozone platzen“, sagt Robert Greil. Der Chefstratege der Privatbank Merck Finck sieht „eine entscheidungsfreudige Zweierkoalition mit Aussicht auf eine mögliche Änderung der Schuldengrenze als das beste Wahlergebnis für die Börse“ an. Greil: „Während die Aktienmärkte auf eine mögliche Zweierkoalition mit Chancen auf eine Anpassung der Schuldengrenze positiv reagieren dürften, wäre ein Mehrparteienbündnis eher ein Dämpfer.“ (DFPA/ljh)