Die Containerschifffahrt steht vor einer anspruchsvollen Phase der Anpassung, glaubt Arthur Homo, Head of Buy Side Fixed Income Research von DPAM. In den kommenden 24 Monaten dürften die Fundamentaldaten zählen: Angebot und Nachfrage, Preissetzungsmacht, Kostendisziplin und Bilanzstärke. Sie werden sich auf die Bonität der größten Schifffahrtsunternehmen auswirken.
Während und nach der Pandemie tat sich Außergewöhnliche in der Containerschifffahrt. Die Frachtraten stiegen 2021 und 2022 stark an, da Staus, Unterbrechungen der Lieferketten und geopolitische Schocks die Kapazitäten einschränkten. 2024 sorgten dann Angriffe der Houthis im Roten Meer dafür, dass die Reedereien Umwege fahren mussten. Die Frachtraten stiegen erneut stark an, stehen inzwischen aber unter Druck, da eine Wiederöffnung erwartet wird.
Die Spotfrachtraten auf den wichtigsten Ost-West-Handelsrouten sind inzwischen auf das Niveau vor der Krise im Roten Meer zurückgekehrt. Die meisten Prognosen gehen nicht von einer Erholung der Frachtraten bis 2027 aus. Stattdessen scheint der Markt längerfristig unter Druck zu stehen.
Die Gesamtrentabilität in der Containerschifffahrt ging 2025 deutlich zurück, da die Frachtraten schneller fielen als die Kosten. Die Containerschifffahrtsunternehmen stehen kurz davor, operativ Geld zu verbrennen. Laut Jefferies haben die effizientesten Betreiber wie Maersk oder Hapag-Lloyd Gesamtkosten von rund 1.100 US-Dollar pro TEU (Twenty-foot Equivalent Unit). Die aktuellen Spotfrachtraten liegen nur geringfügig darüber.
Entscheidend sei jetzt, wie gut die einzelnen Betreiber gewappnet sind. Die meisten großen Containerschifffahrtskonzerne seien mit ungewöhnlich starken Bilanzen in diesen Abschwung gestartet. Der Containerschifffahrtssektor stehe eher vor einer Phase der Anpassung als vor einer Krise. Die Bilanzen seien eine Quelle der Widerstandsfähigkeit, aber der Spielraum für Fehler werde kleiner. Für Anleger dürften sich in den kommenden Jahren ein selektiver Ansatz auszahlen, der sich auf die Kreditqualität, die Kapitaldisziplin und die Fähigkeit konzentriere, eine längere Phase des Überangebots zu meistern. (DFPA/mb)
Degroof Petercam Asset Management (DPAM), mit Hauptsitz in Brüssel, ist eine Asset-Management-Gesellschaft. Neben Publikumsfonds werden Vermögensverwaltungsmandate für institutionelle Investoren gemanagt. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot richtet sich vornehmlich an öffentliche und betriebliche Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, private Banken sowie gemeinnützige Organisationen.