Schwellenländeraktien rücken für globale Anleger wieder stärker in den Fokus. Laut Olivier D’Incan, Fondsmanager beim französischen Asset Manager Credit Mutuel, bieten sie derzeit attraktive Diversifikationsmöglichkeiten – sowohl aufgrund ihrer strukturellen Wachstumsdynamik als auch als Gegengewicht zur Dominanz der US-Märkte.
Während hohe US-Zinsen in den vergangenen Jahren Druck auf die Währungen vieler Schwellenländer ausgeübt haben, könnten die erwarteten Zinssenkungen der US-Notenbank bis Jahresende diese Belastung verringern. Gleichzeitig mahnt D’Incan zur Wachsamkeit: Geopolitische Spannungen, insbesondere im Welthandel, könnten Unternehmen mit hohem US-Exposure volatileren Zeiten aussetzen.
Indien, China und Griechenland im Fokus
Dennoch sieht der Experte in ausgewählten Ländern erhebliche Chancen. Indien etwa verfüge über die derzeit stärkste strukturelle Wachstumsstory im Schwellenländer-Universum. Eine rasch wachsende Mittelschicht kurble den Binnenkonsum an, während ambitionierte Infrastrukturprojekte der Regierung das wirtschaftliche Fundament weiter stärken. Auch China sei wieder interessant: Seit dem Kurswechsel der Regierung im Herbst 2024, der auf eine Stabilisierung des Immobilienmarkts abzielt, wachse das Vertrauen der Investoren. Trotz der jüngsten Erholung blieben die Bewertungen aus Sicht von Credit Mutuel AM attraktiv, zudem könnten fiskalische Impulse für zusätzlichen Aufschwung sorgen.
Brasilien hingegen kämpfte 2024 mit einer Kombination aus politischen Haushaltsrisiken, Inflation und Währungsabwertung. Doch gerade diese Schwächephase könne neue Einstiegschancen eröffnen: Erwartete Zinssenkungen und das steigende Anlegerinteresse im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2026 könnten wieder Kapital ins Land bringen. Ein besonderer Fokus gilt zudem Griechenland. Das Land, das offiziell weiterhin als Schwellenland gilt, verfügt laut D’Incan über eine der klarsten Investmentstorys: Politische Stabilität, solide Staatsfinanzen und EU-geförderte Investitionen stärken das BIP-Wachstum. Besonders vielversprechend sei der Bankensektor, der begonnen habe, sein in der Schuldenkrise aufgebautes Kapital an Aktionäre auszuschütten.
Insgesamt biete das Schwellenländer-Universum interessante Perspektiven für Investoren, die ihr Portfolio breiter aufstellen und unabhängiger von der US-Konjunktur positionieren wollen. Langfristig orientierte Anleger könnten von den strukturellen Wachstumstrends und der zunehmenden wirtschaftlichen Eigenständigkeit vieler Emerging Markets profitieren. (DFPA/abg)
Crédit Mutuel Asset Management ist eine Asset-Management-Gesellschaft der Groupe La Française, der Holdinggesellschaft der Asset-Management-Sparte der Crédit Mutuel Alliance Fédérale.