Die Fed im Dilemma: Zinserhöhungen können die Straße von Hormus nicht öffnen
Bei einer Inflationsrate von 3,8 Prozent und einer hartnäckigen Kerninflation von 2,8 Prozent liegen die Instrumente, die der US-amerikanischen Zentralbank zur Verfügung stehen, eigentlich auf dem Tisch. Eigentlich. Denn sie müsste die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen. Doch diese klassische Lehrbuchreaktion fällt diesmal aus, sagt Andreas Pischetsrieder von der Fürst Fugger Privatbank, in einem Kommentar.
„Wir befinden uns in einem Umfeld, das durch die Geopolitik und den Energiepreisschock bereits stark belastet ist. Mit einer Straffung der Leitzinsen würde die Fed das Risiko einer Rezession deutlich erhöhen“, so Pischetsrieder.
Dies sei die eine Seite des Dilemmas. Die andere sei, dass der Fed gleichzeitig der Spielraum nach unten fehle, so Pischetsrieder: Solange nämlich die Inflation so klar über dem 2 Prozent-Ziel liege, seien der Fed auch hier die Hände gebunden: „Senkt die Fed jetzt die Zinsen, beschädigt sie ihre Glaubwürdigkeit als Inflationsbekämpferin und riskiert eine zweite Teuerungswelle. Sie ist faktisch zur Untätigkeit verurteilt.“ Höhere Zinsen können keine Tanker durch die Straße von Hormus schicken. Die Notenbank könne diese Art von Faktoren mit ihrem Zinsinstrument gar nicht direkt beeinflussen.
Jenseits dieser beschriebenen Angebotsstörungen reiche das Problem tiefer. Pischetsrieder: „Selbst wenn man diese externen Schocks herausrechnet, bleibt die Kerninflation mit 2,8 Prozent hartnäckig erhöht. Die Teuerung sitzt also auch im binnenwirtschaftlichen Kern, etwa bei Dienstleistungen.“ Diese Gemengelage sorge dafür, dass der neue Fed-Chef Kevin Warsh gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Druck von mehreren Seiten zu spüren bekomme.
Hinzu komme ein psychologischer Faktor mit weitreichenden Auswirkungen. Die Fed habe ein Glaubwürdigkeits- und Erwartungsproblem, wie Pischetsrieder erläutert: „Je länger die Inflation erhöht bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass sich höhere Teuerungserwartungen bei Unternehmen und Verbrauchern festsetzen.“ Das würde die Inflation zusätzlich verfestigen und den Handlungsdruck auf die Fed weiter erhöhen, obwohl ihr die Mittel fehlten. Das Ergebnis sei, fast gezwungenermaßen, eine Politik des Abwartens: Anstatt zu senken oder zu erhöhen, dürfte die US-Notenbank die Zinsen vorerst stabil halten und auf eindeutige Daten warten. (DFPA/mb)
Die Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft hat ihren Sitz in Augsburg. Die Bank versteht sich als professioneller Finanzdienstleister für alle Anliegen rund um die private Geldanlage vermögender Privatkunden.