Digitale Tools helfen Städten zunehmend, sich an den Klimawandel anzupassen und natürliche Ökosysteme zu schützen. Eine neue Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Net Positive Cities gibt erstmals einen Überblick über diese Technologien.
Digitale Tools unterstützen Kommunen beim natürlichen Klimaschutz auf vielfältige Weise. So hilft die Software Marxan bei der optimalen Auswahl von Flächen für den Biotopverbund und wird in Bayern bereits zur Naturschutzplanung eingesetzt. Geoinformationssysteme (GIS) ermöglichen eine detaillierte Erfassung von Stadtgrün und bilden digitale Zwillinge, die zur Modellierung und Optimierung von Maßnahmen genutzt werden – wie beispielsweise im Berliner Projekt Q-Trees, das effiziente Gießrouten für die Grünpflege berechnet. Auch die Bewirtschaftung von Regenwasser wird durch digitale Technologien verbessert: 3D-Modelle und Sensoren helfen dabei, Wasser gezielt einzusetzen, wie das automatisierte Bewässerungssystem für Stadtbäume in Pforzheim zeigt. Begrünte Gebäude tragen zur Kühlung und Luftreinhaltung bei, während Sensoren und KI-gestützte Systeme die Überwachung und Planung solcher Maßnahmen erleichtern. Ein Beispiel für eine praxisnahe Anwendung ist das Solar- und Gründachkataster im Kreis Plön, das Bürger*innen zeigt, welche Dächer sich für Begrünung oder Photovoltaik eignen und mit welchen Kosten zu rechnen ist.
„Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Biodiversität in der Stadtplanung besser zu managen“, erklärt Prof. Daniel Johnson vom IÖW. 3D-Stadtklimamodelle und digitale Zwillinge unterstützen zudem bei der Hitze- und Regenwasserbewirtschaftung. Trotz großer Potenziale gibt es Hürden in den Kommunen. „Nicht selten sehen wir unklare Zuständigkeiten und Wissenslücken“, sagt Maria Real Perdomo von Net Positive Cities. Ein offenes Innovationsklima sei entscheidend, um die Technologien erfolgreich einzusetzen. (DFPA/abg)
Die vollständige Studie „Digitale Technologien für natürlichen Klimaschutz in Kommunen“ erhalten Sie hier.
Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) ist ein führendes wissenschaftliches Institut auf dem Gebiet der praxisorientierten Nachhaltigkeitsforschung. Rund 60 Mitarbeiter*innen erarbeiten Strategien und Handlungsansätze für ein zukunftsfähiges Wirtschaften – für eine Ökonomie, die ein gutes Leben ermöglicht und die natürlichen Grundlagen erhält. Das Institut arbeitet gemeinnützig und ohne öffentliche Grundförderung. Das IÖW ist Mitglied im „Ecological Research Network“ (Ecornet), dem Netzwerk der außeruniversitären, gemeinnützigen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschungsinstitute in Deutschland.