Eine Reform der privaten Altersvorsorge könnte nach Einschätzung von Experten die Zahl der Aktionäre in Deutschland weiter erhöhen. Beim 15. DVFA Asset Management Forum wurden zugleich Risiken für den Finanzstandort, der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Vermögensverwaltung und aktuelle Trends an den Kapitalmärkten diskutiert.
Auf dem DVFA-Forum wurde die mögliche Entwicklung als „German 401k moment“ bezeichnet. Zugleich warnten Teilnehmer vor einer bislang fehlenden strategischen Diskussion darüber, wie zusätzliches Vorsorgekapital die deutschen und europäischen Kapitalmärkte stärken kann.
Sollten Anleger die neuen Möglichkeiten vor allem über kostengünstige passive globale Aktien-ETFs nutzen, dürfte ein erheblicher Teil des Kapitals in den US-Aktienmarkt fließen. Damit werde die Chance verpasst, tiefere und breitere Kapitalmärkte in Deutschland und Europa zu entwickeln, hieß es bei der Veranstaltung am 24. September in Frankfurt.
Gleichzeitig steht der Finanzplatz Frankfurt unter Wettbewerbsdruck. Im „Global Financial Centres Index“ der 40 wichtigsten Finanzzentren belegt Frankfurt lediglich Rang 29. Aus der EU schaffen es neben Frankfurt nur wenige Finanzplätze in die Spitzengruppe, lediglich Luxemburg liegt unter den Top 20. Als strukturelle Nachteile wurden fragmentierte europäische Märkte und eine hohe Regulierungsdichte genannt.
Auch die Asset-Management-Branche steht vor einem tiefgreifenden Wandel durch Künstliche Intelligenz (KI). Nach Einschätzung der DVFA kommt KI inzwischen bei praktisch allen Vermögensverwaltern zum Einsatz. In den Geschäftszahlen habe sich der Einsatz bislang allerdings kaum niedergeschlagen. Die Margen stünden weiter unter Druck, während sich die Cost-Income-Ratios im Median seit rund zehn Jahren weitgehend seitwärts bewegten. Konsequentes Change-Management könne die Digitalisierung jedoch für deutliche Effizienz- und Margenverbesserungen nutzen.
Für die Kapitalmärkte sehen die Experten kurzfristig überwiegend günstige Bedingungen, insbesondere für Aktien. Treiber seien eine zyklische Konjunkturerholung, ein veränderter geldpolitischer Zinstrend und anhaltendes Gewinnwachstum der Unternehmen. Bei Anleihen sei langfristig eine Normalisierung der Realzinsen zu beobachten. Auch Schwellenländer, Gold und Rohstoffe blieben für die Asset Allocation relevant.
Zu den langfristigen Herausforderungen zählen nach Einschätzung der Teilnehmer geringe Wachstumspotenziale der Volkswirtschaften sowie der Rückgang der Überschussliquidität im Bankensystem infolge des Endes der quantitativen Lockerung. Zudem nähmen die Unterschiede bei Governance und Stewardship zwischen Europa und anderen Regionen zu. Die Wahrung von Aktionärsrechten sei auch für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Kapitalmarkts von Bedeutung. Das nächste DVFA Asset Management Forum ist für den 23. September 2027 in Frankfurt geplant. (DFPA/abg)
Der DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V. (DVFA) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Standesorganisation aller Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten. Für seine über 1.400 Mitglieder aus dem Investment- und Risikomanagement engagiert sich der Verband für die Professionalisierung des Berufsstandes, erarbeitet Standards, fördert den Finance-Nachwuchs und bringt sich in die regulatorische und politische Diskussion ein.