Mit ihren erratischen und kaum prognostizierbaren Entscheidungen hat die neue US-Regierung zur Verunsicherung der Finanzmärkte beigetragen. Diese reagieren nach anfänglichen Irritationen inzwischen zwar erstaunlich gelassen. Dennoch hält die Diskussion über die künftige Rolle des US-Dollars und die globale Dominanz des amerikanischen Staatsanleihenmarktes an. Dies war auch Thema der DVFA Monatsfrage Juli.
„Dem neuen US-Präsidenten scheint nicht bewusst, wie sehr das Land auch von dieser geoökonomischen Ausnahmestellung (,Exceptionalism‘) profitiert, welche Macht und zugleich Verantwortung das für die US-Administration bedeutet“, erklärt Ingo R. Mainert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DVFA. „Dass die Ära des US-Dollars als sicherer Hafen und Weltleitwährung hinterfragt wird, zeigen die Antworten der DVFA Investment Professionals auf unsere jüngste Monatsfrage. Doch mit einem radikalen Wechsel an der Spitze des Weltfinanzsystems rechnen sie mehrheitlich vorerst nicht.“
Insgesamt 13 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen für die Zukunft eine unveränderte Bedeutung der USA im internationalen Finanzsystem. Dagegen rechnen mehr als zwei Drittel (68 Prozent) und damit die überwiegende Mehrheit damit, dass diese Bedeutung moderat abnimmt. Einen wesentlichen Bedeutungsverlust erwartet immerhin fast jeder Sechste (15 Prozent), während sich nur vier Prozent in dieser Frage unentschieden zeigen. Hinsichtlich der Bedeutung des US-Dollars als Weltleitwährung sind sich die Investment Professionals der DVFA sehr einig: Sie wird im Trend zurückgehen, und zwar erheblich (21 Prozent der Antwortenden) beziehungsweise nur leicht (67 Prozent). Keinen Rückgang vermuten dagegen lediglich sieben Prozent.
Schließlich fragte die DVFA, ob die US-Notenbank während der Regierungszeit von Donald Trump unabhängig bleiben wird. Dort zeigte sich die Hälfte der Umfrageteilnehmer skeptisch: acht Prozent antworteten mit einem klaren „Nein“. Weitere 42 Prozent erwarten zwar keine Gesetzesänderungen in dieser Richtung, rechnen jedoch damit, dass die Fed de facto von der Politik abhängig wird. Immerhin mehr als ein Drittel der Investment Professionals (34 Prozent) sind dagegen optimistischer und halten die Unabhängigkeit der US-Notenbank für nicht gefährdet. Die Unberechenbarkeit der Entwicklungen in den USA spiegelt die Tatsache, dass mit 16 Prozent fast jeder Sechste der Teilnehmenden (noch) keine Aussage treffen wollte.
„Insgesamt rechnen unsere Investment Professionals mit einer Schwächung der amerikanischen Bedeutung für das Welt-Finanzsystem, jedoch nicht mit einer Ablösung der USA in ihrer Führungsposition“, fasst Ingo Mainert die Ergebnisse zusammen. Bedenklich scheint angesichts von etwa 36 Billionen US-Dollar Staatsschulden in den USA die Gefahr steigender Zinsen und dadurch zunehmender fiskalischer Belastungen des US-Budgets.
Die DVFA-Monatsfrage wendet sich an die rund 1.500 Mitglieder des Verbandes und widmet sich Themen, die in der Finanzbranche diskutiert werden. (DFPA/mb)
Der DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V. (DVFA) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Standesorganisation aller Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten.