Trotz hoher Bewertungen an den Aktienmärkten sieht die Mehrheit der Finanzexperten derzeit keine umfassende Spekulationsblase. Nach einer aktuellen Umfrage der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) erkennen viele Marktteilnehmer zwar deutliche Übertreibungen in einzelnen Marktsegmenten, insbesondere im Technologiesektor, halten die Gesamtlage jedoch weiterhin für beherrschbar.
Wie die DVFA mitteilte, bewerten 73 Prozent der befragten Investment Professionals die aktuelle Marktsituation als Phase sektoraler Übertreibungen, ohne von einer generellen Blase zu sprechen. Lediglich 16 Prozent sehen Anzeichen für eine breit angelegte Spekulationsblase. Knapp elf Prozent halten die derzeitigen Bewertungen überwiegend für fundamental gerechtfertigt.
Vor allem die hohen Bewertungen großer US-Technologieunternehmen werden differenziert betrachtet. Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) hält das aktuelle Bewertungsniveau angesichts der erwarteten Gewinnentwicklung weiterhin für vertretbar. 38 Prozent sehen die Kurse teilweise als überzogen an, während 13 Prozent von einer deutlichen Überbewertung sprechen.
Als Parallelen zu früheren Spekulationsphasen nennen 62 Prozent der Teilnehmer die starke Konzentration der Marktkapitalisierung auf wenige marktführende Unternehmen. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) verweist zudem auf überhöhte Bewertungen einzelner Technologiewerte. Gleichzeitig sehen viele Experten wesentliche Unterschiede zu früheren Blasen, etwa die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung neuer Technologien und die hohe Profitabilität vieler Tech-Konzerne.
Kritisch beurteilt wird die zunehmende Dominanz sogenannter Mega-Cap-Unternehmen. 55 Prozent der Befragten sehen darin ein Risiko für Marktstabilität und Diversifikation. Weitere 31 Prozent halten die Entwicklung zwar für risikobehaftet, angesichts der starken Marktposition der betroffenen Unternehmen jedoch für nachvollziehbar.
Für die kommenden zwei bis drei Jahre überwiegt dennoch der Optimismus. 41 Prozent erwarten langfristig erhebliche Produktivitäts- und Wohlstandsgewinne durch technologische Innovationen. Weitere 30 Prozent rechnen mit einer Korrektur einzelner Marktsegmente, jedoch nicht mit einer umfassenden Krise. Nur 17 Prozent erwarten einen Verlauf ähnlich früherer Technologieblasen. Roger Peeters, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DVFA, betonte, die Ergebnisse zeigten eine differenzierte Einschätzung der aktuellen Marktlage und verwiesen auf fundamentale Unterschiede zu früheren Spekulationsphasen. (DFPA/abg)
Der DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V. (DVFA) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Standesorganisation aller Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten. Für seine über 1.400 Mitglieder aus dem Investment- und Risikomanagement engagiert sich der Verband für die Professionalisierung des Berufsstandes, erarbeitet Standards, fördert den Finance-Nachwuchs und bringt sich in die regulatorische und politische Diskussion ein.