Längere Lebenserwartung, geringere Ungleichheit und hohe Beschäftigung: Nach Einschätzung der Europäischen Investitionsbank (EIB) zeigt sich der Erfolg Europas nicht nur in wirtschaftlichen Kennzahlen. Langfristige Investitionen in Gesundheit, Bildung und soziale Infrastruktur stärken demnach auch die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents.
Europa zählt weltweit zu den Regionen mit der höchsten Lebensqualität. Ein wesentlicher Grund dafür sind nach einer Analyse der Europäischen Investitionsbank langfristige Investitionen in Gesundheit, Bildung und soziale Sicherung. Das europäische Sozialmodell sei nicht nur ein Instrument für mehr Gerechtigkeit, sondern auch eine Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und Wachstum, heißt es im EIB-Investitionsbericht 2025/2026.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei der Lebenserwartung. In einigen europäischen Ländern, insbesondere in Teilen Nordeuropas und Südeuropas, leben Menschen bis zu fünf Jahre länger als in den USA. Auch die Säuglingssterblichkeit liegt in Europa mit 3,7 Todesfällen je 1.000 Geburten deutlich unter dem US-Wert von 6,5 Fällen.
Die EIB sieht die Ursache in jahrzehntelangen Investitionen in Gesundheitsversorgung, Umweltschutz und soziale Systeme. Auch der Zugang zu Bildung trage dazu bei, Chancen breiter zu verteilen. Im Jahr 2024 verfügten demnach 84 Prozent der 20- bis 24-Jährigen in Europa mindestens über einen Abschluss der Sekundarstufe.
Neben höheren Lebensstandards habe sich auch die Einkommensverteilung verbessert. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre seien die verfügbaren Haushaltseinkommen in der Europäischen Union insgesamt um 18 Prozent gestiegen, in Mittel- und Osteuropa sogar um mehr als 40 Prozent. Gleichzeitig sei die Ungleichheit gemessen am Gini-Index auf einen historischen Tiefstand gesunken.
Auch der Arbeitsmarkt profitiert laut EIB vom Sozialmodell. Die Beschäftigungsquote erreichte 2025 mit 76 Prozent der Erwerbsbevölkerung einen Rekordwert. Zugleich stieg die Erwerbsbeteiligung von Frauen, während ältere Beschäftigte länger im Arbeitsleben bleiben.
Vor neuen Herausforderungen steht Europa insbesondere beim Thema Wohnen. Steigende Mieten und Immobilienpreise erschweren in vielen Städten den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum. Die EIB sieht deshalb Investitionen in Wohnungsbau, Verkehr, Bildungseinrichtungen und Gesundheitsinfrastruktur als zentrale Zukunftsaufgaben.
Angesichts des technologischen Wandels und der alternden Bevölkerung sei das europäische Sozialmodell kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Produktivität, Innovation und langfristiges Wachstum, so die Einschätzung der Bank. (DFPA/abg)
Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die Einrichtung der Europäischen Union für langfristige Finanzierungen. Ihre Anteilseigner sind die Mitgliedstaaten der EU. Sie vergibt Mittel für solide Investitionen, die den Zielen der EU dienen. Ihre Schwerpunkte sind Klima und Umwelt, Entwicklung, Innovation und Wissen, kleine und mittlere Unternehmen sowie Infrastruktur und Kohäsion. Die EIB arbeitet eng mit anderen EU-Einrichtungen zusammen, um die europäische Integration voranzubringen, die Union weiterzuentwickeln und die EU-Ziele in über 140 Ländern weltweit zu fördern.