Europäische Legaltech-Unternehmen ziehen trotz wachsender Konkurrenz durch große KI-Modelle weiterhin hohe Risikokapitalinvestitionen an. Nach Daten des US-amerikanischen Finanzdaten- und Analyseunternehmens PitchBook flossen seit Jahresbeginn rund 856 Millionen Euro in den Sektor und damit fast so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2025.
Zu den jüngsten Finanzierungsrunden zählen 50 Millionen Dollar für das Mailänder Recherche-Start-up Lexroom sowie 7,5 Millionen Euro für das Berliner Automatisierungsunternehmen LawX. Besonders stark fiel die milliardenschwere Bewertung des schwedischen KI-Rechtsdienstleisters Legora ins Gewicht, der im März eine Finanzierungsrunde über 550 Millionen Dollar abgeschlossen hatte.
Der Boom wird vor allem durch Fortschritte bei großen Sprachmodellen (LLMs) angetrieben. Start-ups setzen die Technologie ein, um juristische Aufgaben wie Vertragsprüfungen oder Rechtsanalysen zu automatisieren. Gleichzeitig wächst jedoch der Wettbewerbsdruck durch KI-Anbieter wie Anthropic, die eigene Lösungen für juristische Anwendungen entwickeln.
Investoren gehen dennoch davon aus, dass der globale Markt für Rechtsdienstleistungen groß genug ist, um mehreren Anbietern Raum zu bieten. Vor allem spezialisierte Anwendungen mit branchenspezifischen Funktionen gelten als aussichtsreich.
Auffällig ist laut PitchBook zugleich eine stärkere Konzentration des Kapitals auf wenige Marktführer. Während die Zahl der Deals nicht im gleichen Tempo wächst wie das Investitionsvolumen, hat sich die durchschnittliche Größe der Finanzierungsrunden binnen eines Jahres von zwei auf fünf Millionen Euro mehr als verdoppelt. (DFPA/abg)
PitchBook ist ein US-amerikanisches Finanzdaten- und Analyseunternehmen, das sich auf Private Equity, Venture Capital, Mergers [&] Acquisitions (M[&]A) und andere Bereiche der privaten Kapitalmärkte spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und gehört seit 2016 zur Morningstar Inc., einem großen Anbieter von Finanzinformationen und Investmentanalysen.