Wie können Anleger den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft am besten finanzieren? Michaël Oblin, Fixed Income Analyst bei dem Vermögensverwalter DPAM, setzt an Europas Stromnetzen an, die einst für ein fossiles Energiesystem gebaut wurden.
Diese Netze müssten umgebaut werden, damit sie saubere Energie zuverlässig und effizient liefern könnten. Erhebliche Investitionen seien notwendig. Ohne diese drohten Europa Engpässe, höhere Preise und verfehlte Klimaziele. Strom fließe durch zwei Hauptsysteme: Übertragungsnetze, die Hochspannungsstrom über große Entfernungen transportieren, und Verteilungsnetze, die Haushalte und Unternehmen mit Niederspannungsstrom versorgen.
Nach zwei Jahrzehnten der Stagnation werde die Stromnachfrage in Europa steigen, angetrieben durch Elektrifizierung von Verkehr, Heizung und Industrie, der Zunahme von Dachsolaranlagen, Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen sowie durch lokale Energiegemeinschaften und grüne Wasserstoffproduktion. Um diesen Bedarf zu decken, müssen dezentrale Energiequellen integriert und ein intelligenteres Netz aufgebaut werden.
Modernisierung eines alternden Netzes
Die Strominfrastruktur Europas ist veraltet, 30 Prozent des Netzes sind über 40 Jahre alt. Digitale Tools wie intelligente Zähler und vorausschauende Wartung seien zwar hilfreich, aber ohne eine groß angelegte Erneuerung werde es nicht gehen. Derzeit warten 1.700 Gigawatt (GW) an Projekten für Erneuerbare Energien und Hybridprojekte in 16 Ländern auf ihren Anschluss, was Investitionen in Milliardenhöhe verzögere und den Klimaschutz verlangsame.
Die meisten Netzbetreiber verfügen über Investment-Grade-Ratings, was auf stabile Einnahmen, ein geringes Risikoprofil und in einigen Fällen auf staatliche Unterstützung zurückzuführen sei. Dadurch haben sie einen guten Zugang zu den Anleihemärkten. Das Ausmaß der erforderlichen Investitionen sei jedoch eine Herausforderung für traditionelle Kreditmodelle. Die Netzbetreiber greifen daher auch auf Hybridanleihen und EU-Unterstützung zurück. Die Energiewende in Europa hänge von der Umgestaltung der Stromnetze ab. Kapazitäten müssten erweitert, die Qualität verbessert werden. (DFPA/mb)
Degroof Petercam Asset Management (DPAM) ist eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Hauptsitz in Brüssel.