Beim 6. Sustainable Finance Roundtable Hamburg haben Fachleute über die Finanzierung von Klimaschutz, Biodiversität und den Umgang mit ESG-Daten beraten. Für den Durchbruch neuer Technologien seien vor allem passende Finanzierungsmodelle und belastbare Daten nötig, lautet eine gemeinsame Erkenntnis.
Die Finanzierung klimafreundlicher Technologien muss nach Einschätzung von Tobias Lechtenfeld vom Praxisbeirat Sustainable Finance des Bundesfinanzministeriums stärker auf verschiedene Kapitalgeber verteilt werden. Die Technologien für Klimaneutralität seien vielfach vorhanden, die zentrale Herausforderung liege nun in ihrer Skalierung, sagte Lechtenfeld. Nötig sei ein Finanzierungsmix aus Eigenkapital, Private Credit, Bankdarlehen, Garantien und Projektfinanzierungen.
Vor allem Garantien und Modelle zur Risikoteilung könnten privates Kapital mobilisieren und Finanzierungslücken in der Wachstumsphase von Cleantech-Unternehmen schließen. Entscheidend sei daher nicht allein, wer ein Projekt finanziere, sondern welcher Kapitalgeber das jeweilige Risiko am besten tragen könne.
Auch der Finanzsektor müsse seine Rolle in der ökologischen Transformation weiterentwickeln, betonte Theresa Bruch, persönliche Referentin der Vorständin der Umweltstiftung Michael Otto. Intakte Ökosysteme seien eine Voraussetzung für die Stabilität von Wirtschaft und Finanzsystem. Banken benötigten dafür verlässliche Daten, um Risiken zu bewerten und zugleich Fortschritte bei der Transformation sichtbar zu machen.
Mit Blick auf eine mögliche Weiterentwicklung der EU-Offenlegungsverordnung SFDR verwies Antonia Mukbel, ESG-Managerin bei HANSAINVEST, auf ein Spannungsfeld: Neue Kategorien könnten Anlegern mehr Orientierung geben und Transformationsprozesse stärker berücksichtigen. Strikte Ausschlüsse könnten jedoch dazu führen, dass Unternehmen in der Umstellung zunächst unberücksichtigt blieben.
Azadeh Montazer Haghighi, Gründerin und Geschäftsführerin von youturn, forderte für Klimaanpassung und Biodiversität belastbare Nachweise, messbare Kriterien und geeignete Standards. Nur so könnten entsprechende Maßnahmen in Finanzierungs- und Versicherungsentscheidungen einfließen.
Jan Peter Nahrstedt von der Universität Hamburg sieht in der doppelten Wesentlichkeitsanalyse ein strategisches Instrument für Unternehmen. Ellen Weiland, stellvertretende Vorsitzende von BAUM, plädierte dafür, ESG-Daten stärker mit konkreten Finanzierungsentscheidungen und der Unternehmenssteuerung zu verknüpfen. Banken bräuchten nicht möglichst viele, sondern die richtigen Daten. (DFPA/abg)
Der Sustainable Finance Roundtable Hamburg (SFRTHH) ist eine interdisziplinäre Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Finanz- und Realwirtschaft sowie dem öffentlichen Sektor zur Weiterentwicklung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft in der Metropolregion Hamburg. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis von Sustainable Finance und ESG zu fördern und praxisorientierte Lösungen für deren Umsetzung zu entwickeln. Die Initiative wird von der Sustainable Finance Research Group der Universität Hamburg, F.I.R.S.T. e.V., Finance City Hamburg, der UmweltPartnerschaft Hamburg und der Deutsche Investment Kapitalverwaltung AG getragen.