Der derzeitige explosionsartige Anstieg alternativer Daten, die Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) und die Zunahme dezentraler Infrastrukturen schaffen neue Risiken in der Finanzwelt. Viele finanzielle Risiken werden mit den herkömmlichen Tools nur unzureichend erfasst oder sogar übersehen. Das haben die großen Finanzkrisen gezeigt. Das merkt Marie Brière an, Generaldirektorin des Institut Louis Bachelier und Head of the Investor Intelligence and Academic Partnerships am Amundi Investment Institute.
Alternative Daten in den Bereichen Text, Ton, Bilder erhöhten den Grad der Detailliertheit, die Häufigkeit sowie die Vielfalt der Signale, die verwertet werden können, um Anlagesignale zu generieren und Risiken genauer zu bewerten. Das scheine zunächst mit Blick auf die Informationseffizienz positiv, könne aber von dem Bemühen um grundlegende Informationen abhalten und langfristige Aussichten wie auch die Wirtschaftlichkeit von Kapitalallokationen untergraben.
Die neuen Daten hätten zudem Schwachstellen: Datenpannen, böswillige Manipulationen, mangelnde Repräsentativität oder Qualitätsprobleme können falsche Signale zur Folge haben.
Generative KI im Finanzwesen eröffne vielversprechende Perspektiven, berge aber Risiken, die auf den ersten Blick oft nicht erkennbar seien. Der Einsatz von KI bei der Finanzanalyse, die automatisierte Beratung oder der algorithmische Handel werfen Fragen hinsichtlich Manipulation oder algorithmische Kollusionen auf. Laborsimulationen beweisen, dass KI-Modelle durch Interaktion stillschweigende Preisabsprachen erzeugen können.
Geopolitische Risiken und wirtschaftliche Fragmentierung verstärken die Problematik noch. Es sei eine gemeinsame Herausforderung, das Unsichtbare sichtbar zu machen, um ein Finanzsystem zu schaffen, das sicherer und auf unkonventionelle Schocks besser vorbereitet ist. (DFPA/mb)
Amundi ist eine börsennotierte Fondsgesellschaft mit Sitz in Paris. Das Unternehmen ist 2010 aus der Zusammenführung der Asset-Management-Aktivitäten der französischen Bankengruppen Crédit Agricole und Société Générale hervorgegangen.