Das Marktumfeld für Geldanlagen hat sich in den zurückliegenden zwei Jahren gravierend verändert. Auch wenn die Notenbanken die Leitzinsen schon wieder senken, sind die Zinsen nach einem guten Jahrzehnt einer Niedrig-, Null- und Negativzinsphase inflationsbedingt auf einem ordentlichen Niveau angekommen. Der Traum von der eigenen Immobilie ist hingegen für Viele vorerst unerreichbar geworden, da Zinsen und Tilgung die finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) wollte wissen, ob sich all dies auf die Anlagepräferenzen der Privatanleger auswirkt. Im Rahmen seiner halbjährlichen Erhebung zum Deutschen Geldanlageindex (DIVAX-GA) befragte es dazu 2.000 Menschen in Deutschland.
Klar erkennbar, wenngleich nicht euphorisch, sei das zunehmende Interesse an zinsbasierten Geldanlagen. Sie wurden im Sommer 2023 von 25,7 Prozent und werden aktuell von 31,9 Prozent der Befragten als besonders attraktiv eingestuft. Immerhin die Hälfte davon (15,4 Prozent) lässt Taten folgen und legt ihr Geld aktuell vermehrt in Tagesgeld, Festgeld sowie Giro- oder Bankeinlagen an. Bemerkenswert sei, dass dabei Ältere auf die Marktveränderungen weitaus weniger als Jüngere reagieren. So gaben 69,7 Prozent der über 65-Jährigen an, gar nicht zu reagieren. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind dies gerade einmal 14,6 Prozent.
Renaissance der Riester-Vorsorge mit Lebensversicherung?
Anders als viele Privatanleger hat die Politik auf das veränderte Zinsumfeld reagiert. Das Bundesfinanzministerium hebt den Höchstrechnungszins für private Rentenversicherungen ab dem Jahr 2025 von derzeit 0,25 Prozent auf 1,0 Prozent an. Das macht diese Form der Alters- und Hinterbliebenenvorsorge mit Kapitalaufbau wieder deutlich attraktiver. Dazu Oliver Mathais, Verbandsdirektor des Bundesverbands der Assekuranzführungskräfte e.V. (VGA), einer der Trägerverbände des DIVA: „Die private Rentenversicherung ist in den letzten Jahren ein wenig in Verruf geraten. Zu Unrecht! Natürlich leidet ohne Zins die Rendite bei jedem Garantieprodukt. Für sehr viele Menschen ist aber eine garantierte lebenslange Privatrente die ideale Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Es ist deshalb gut, dass Privatrenten wieder attraktiver werden und vermutlich ab Anfang 2025 auch wieder Riester-Renten angeboten werden. Denn mit dem Renditeturbo der Zulagenförderung und wieder realisierbaren Überschussbeteiligungen ist die Riester-Rente vor allem für Geringverdiener mit Kindern optimal geeignet.“
Anders als Zinsanlagen werden in der DIVA-Befragung Immobilien und Gold beziehungsweise Edelmetalle aktuell weniger positiv als vor einem Jahr bewertet. Die Ursachen für diese Trends seien unterschiedlich. Immobilien könnten sich wegen der höheren Zinsbelastung auf Baudarlehen Bürger leisten und Gold halte mancher vermutlich für überteuert. Schon wegen der gestiegenen Attraktivität von Zinsanlagen, aber wohl auch wegen der zunehmenden Volatilität der Börsen werden Aktien und Aktienfonds von nicht mehr ganz so vielen der Befragten als besonders attraktiv eingestuft. Aktuell sind es 28,0 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 31,1 Prozent. Aktien und Zinsanlagen sind damit, was die Bewertung der Attraktivität angeht, fast gleichauf. (DFPA/mb1)
Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in Frankfurt am Main ist ein Institut der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und versteht sich als Meinungsforschungsinstitut für finanzielle Verbraucherfragen.