Der demografische Wandel unserer Gesellschaft ist der Motor für zahlreiche Veränderungen und Entwicklungen – auch in der Immobilienwirtschaft. Gesundheitsimmobilien wecken immer häufiger das Interesse von Investoren. Der Grund: Der Bedarf an Ärztehäusern, medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Reha-Kliniken, Zentren für ambulante Operationen oder Einrichtungen, die betreutes Wohnen für Senioren anbieten, wächst stetig. Es besteht enormer Bedarf an geeigneten Immobilien. Das sind Ergebnisse des Online-Panels „Gesundheitsimmobilien – Hidden Champions für Investoren?“.
Auf Einladung von Builtworld, Plattform für Bau und Immobilien, und des Beratungsunternehmens Rueckerconsult diskutierten drei Experten, inwieweit sich diese noch junge Assetklasse bereits etabliert hat und welche Chancen sie aus Investorensicht bietet: Felix Rotaru, Director Healthcare bei Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Lackner, Geschäftsführer von Neworld, und Carsten Demmler, Geschäftsführer von HIH Invest.
Für ein Investment in Gesundheitsimmobilien sprechen aus Sicht der Fachleute zahlreiche Argumente, neben dem demographischen Wandel und dem Nachfrageüberhang bei den Flächen unter anderem die Konjunkturabhängigkeit. Die Bündelung von ärztlichen Angeboten in Kombination mit Apotheken und weiteren medizinischen Angeboten komme den Patienten zugute, die alles an einem Ort erledigen könnten und damit für stabile Auslastung sorgten. Die aktuelle Rentnergeneration verfügt über relativ viel Kaufkraft, was für Umsatz in den Gesundheitseinrichtungen sorgt. Außerdem habe der Gesetzgeber großes Interesse an privatwirtschaftlichem Engagement, berichtet Carsten Demmler, Geschäftsführer der HIH Invest.
Insbesondere in kleineren Städten mangele es seit Jahren an medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Diese Lücke lindern zahlreiche neue Ärztehäuser, MVZ und betreute Wohnanlagen, die mit Anlegergeld finanziert sind. Das Engagement geht nach Aussage der Experten in der Regel mit einer Ausschüttungsrendite in Höhe von rund fünf Prozent einher – und das bei minimalem Risiko, wie Alexander Lackner, Geschäftsführer von Neworld, beteuert: „Es gibt keine dankbareren Mieter als Ärzte und Apotheker, weil sie ihren Zahlungsverpflichtungen generell nachkommen.“
Einzelne Mietverträge statt Betreiberrisiko
Die Ausfallwahrscheinlichkeit dieser Klientel liegt laut Rotaru bei nur 0,2 bis 0,5 Prozent. „Daher suchen wir nur nach Objekten, in denen die gesundheitsorientierte Mieterschaft 80 Prozent ausmacht“, so Rotaru. Eine weitere gängige Praxis: klassische Mietverträge mit jedem einzelnen Mieter, die in der Regel über zehn bis zwölf Jahre laufen, inklusive Verlängerungsoptionen von zweimal fünf Jahren. Nachvermietungen seien bei einem bereits etablierten Standort kein Problem.
An der Zukunftsfähigkeit von Gesundheitsimmobilien hat keiner der Diskutanten Zweifel. Eine goldene Regel gelte es beim Ankauf aber dringend zu beachten: „Auf Mieterseite muss jemand für durchgängige Belegung sorgen, etwa die Deutsche Rentenversicherung. Ansonsten ist das Risiko zu groß.“ (DFPA/mb)
Die Rueckerconsult GmbH mit Sitz in Berlin ist ein Beratungsunternehmen für Kommunikationsaufgaben in der Immobilienwirtschaft.