Die Reaktion des Goldpreises auf den Ausbruch des Iran-Krieges hat bei einigen Beobachtern für Verwirrung gesorgt. Entgegen der traditionellen Lehrbuchmeinung, dass Gold in Zeiten erhöhter Unsicherheit als „sicherer Hafen“ verstärkt nachgefragt wird, hat das gelbe Edelmetall eine erhebliche Korrektur erfahren, so merkt die DZ Bank an.
Als der Iran die Straße von Hormus blockierte, stieg der Ölpreis um fast 65 Prozent auf 115 US-Dollar je Barrel (Brent). Dies führte zu einer Revision der marktseitigen US-Inflations- und Leitzinssenkungserwartungen sowie zu einem starken Anstieg der Renditen von (US-)Staatsanleihen. Zudem signalisierte die Fed jüngst eine vorsichtigere Haltung. Ende Februar waren an den US-Geldmärkten noch mindestens zwei US-Leitzinssenkungen bis zum Jahresende eingepreist. Inzwischen liebäugelt der Marktkonsens sogar mit einer Zinsanhebung.
Für das unverzinste Gold stelle diese Entwicklung einen direkten Gegenwind dar, da höhere Zinsen die Opportunitätskosten für das Halten von Gold steigen lassen. In der Folge rutschte der Goldpreis um knapp 20 Prozent ab, und bis heute überlagere dieser Zinsfaktor die geopolitischen Sorgen und den Wunsch der Anleger nach dem sicheren Hafen Gold.
Ein weiterer Faktor, der dem Edelmetall ebenfalls zusetzt, hänge mit den Verlusten an den Aktienmärkten zusammen. Aktuell komme es zu erzwungenen Goldverkäufen zur Liquiditätsbeschaffung, um sogenannte Margin Calls (Nachschussforderungen) zu bedienen. Dabei werden in der Regel zuerst jene Assets veräußert, die zuletzt eine positive Entwicklung durchliefen. Somit haben Goldanleger einen Teil ihrer in den vergangenen Monaten erwirtschafteten Gewinne realisiert.
Fazit: Der langfristige Ausblick bleibe weiterhin positiv. Phasen, in denen die Zinsseite vorübergehend die Goldnachrage maßgeblich bestimmte, gab es in den vergangenen Jahren zwar wiederholt, nachhaltig waren diese Impulse jedoch nicht. Selbst wenn derzeit die Zinsseite den Ton bei den Goldanlegern vorgibt, dürfte die übergeordnete Blockbildung und die geopolitische Gemengelage, die aktuell insbesondere vom Weißen Haus ausgeht, langfristig wieder die Oberhand gewinnen. (DFPA/mb)
Die DZ Bank-Gruppe ist Teil der Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Innerhalb der Genossenschaftlichen Finanzgruppe fungiert die DZ Bank AG als Spitzeninstitut und Zentralbank. Sie ist zudem als Geschäftsbank aktiv und hat die Holdingfunktion für die DZ Bank Gruppe.