Die Bürgerbewegung Finanzwende kritisiert den Einfluss der Sparkassen in Deutschland. Die aktuelle Studie des Vereins [nbsp]„Die Lobbymacht der Sparkassen” zeige genau, über welche enormen Ressourcen die Sparkassen bei ihrer Lobbyarbeit verfügen und wie eng ihre Verbindungen zu Politikern aus verschiedenen Parteien sind.
„Die Sparkassen behaupten von sich anders zu sein als herkömmliche Banken – und das ist in der Tat auch ihr Auftrag”, sagt Finanzwende-Vorstand Daniel Mittler. Ein genauer Blick auf ihre Lobbyarbeit und die Geschäftspraktiken zeige jedoch, dass es in der Praxis kaum Unterschiede gebe. “Absurd hohe Vorstandsgehälter, Kundenabzocke mit teuren Zertifikaten und magere Zinsen für Sparer*innen trotz fetter Gewinne – bei vielen Sparkassen gibt es[nbsp] leider auch viel zu kritisieren”, so Mittler.
Die Studie „Die Lobbymacht der Sparkassen” schlüsselt die verschiedenen Akteure auf, die im Namen der Sparkassen Lobbyarbeit in Berlin betreiben, und gibt Einblick in ihre Arbeitsweise. Mächtigster Einzelakteur ist der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), der mächtigster Bankenverband in Berlin und einer der ressourcenstärksten Akteure der Finanzlobby überhaupt. Mindestens 3,35 Millionen Euro lässt sich der DSGV die Einflussnahme auf Bundestag und Bundesregierung kosten – im Jahr.
„Das gute Image der Sparkassen ist bei genauerem Hinsehen leider so nicht berechtigt”, sagt Mittler mit Blick auf verschiedene Kontroversen, etwa zur viel zu langsamen Weitergabe von Zinserhöhungen, zum umstrittenen Zertifikategeschäft oder zur üppigen Entlohnung der Vorstände. “Wir wünschen uns Sparkassen, die ihrem Auftrag, dem Gemeinwohl lokal zu dienen, effektiv gerecht werden. Aber die Realität ist allzu oft anders.” Obwohl Sparkassen und Landesbanken in öffentlicher Hand sind und Politiker in ihren Aufsichtsgremien sitzen, würden die Institute kaum dazu angehalten, tatsächlich im Sinne des Gemeinwohls zu handeln. Stattdessen erleichtere die Nähe zu politischen Entscheidungsträgern es den Sparkassen sogar oft, eigene Interessen durchzusetzen. Mittler: „Wenn es um Lobbyarbeit und Einflussnahme geht, existiert die Abgrenzung zu profitorientierten Privatbanken bei den Sparkassen nur auf dem Papier.” (DFPA/abg)
Die Studie finden Sie hier.
Bürgerbewegung Finanzwende e. V. hat sich vor fünf Jahren gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Der Verein engagiert sich für faire und nachhaltige Finanzmärkte, initiiert Kampagnen und ordnet aktuelle Meldungen zur Finanzwelt ein. Finanzwende hat sich 2018 anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Pleite der Lehman Brothers Bank gegründet. Gründungs- und Vorstandsmitglied ist der ehemalige Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick.