Vor zehn Jahren klang es futuristisch, Krebs aus einer Blutprobe zu erkennen, das genetische Profil eines Tumors zu kartieren oder mit Hilfe künstlicher Intelligenz eine personalisierte Therapie zu gestalten. Heute gehen diese Fortschritte jedoch in die klinische Praxis über. Für Anleger ist dieser Wandel von Bedeutung, meint Pasquale Sansone, Portfolio Manager Healthcare beim Vermögensverwalter Candriam.
Das Gesundheitswesen ist nicht mehr nur ein defensiver Sektor. Es ist auch eine der wichtigsten Innovationsplattformen des nächsten Jahrzehnts. Es stehe an der Schnittstelle zwischen struktureller Nachfrage, wissenschaftlicher Innovation und günstigen Bewertungen. Eine alternde Weltbevölkerung und ein besserer Zugang zu medizinischer Versorgung unterstützen weiterhin langfristiges Wachstum.
Zudem gestalten Durchbrüche in Bereichen wie Genomik, künstliche Intelligenz und Präzisionsmedizin die Möglichkeiten einer modernen Gesundheitsversorgung neu. Nach mehreren schwierigen Jahren für den Sektor entfaltet sich dieser Innovationszyklus nun in einem Bewertungsumfeld, das überzeugender erscheint als in weiten Teilen des letzten Jahrzehnts.
Die Gesundheitsnachfrage sei auch weniger anfällig für Konjunkturzyklen als viele andere Marktbereiche, da die Menschen in fast jedem Umfeld eine Diagnose und Behandlung benötigen. Die Onkologie sei und bleibe dabei eines der größten und aktivsten therapeutischen Segmente im Gesundheitswesen.
Der Fortschritt sei sichtbar. Die Überlebensraten bei fünfjährigen Krebserkrankungen haben sich seit den 1970er Jahren erheblich verbessert. Dies ist gestützt durch Früherkennung, besseres Screening und gezieltere Behandlungen. Allein im Jahr 2025 hat die US-Arzneimittelbehörde (USFDA) 19 neue Krebsmedikamente, 16 neue diagnostische Tests sowie erweiterte Anwendungen für bestehende Krebstherapien zugelassen. Jede Zulassung kann die Behandlungslandschaft erweitern.
Für Anleger können regulatorische Fortschritte auch dazu beitragen, Unternehmen mit differenzierter Wissenschaft, stärkeren Pipelines und klarerem langfristigem Wachstumspotenzial zu identifizieren. Von der Auflegung der Strategie im Jahr 2019 bis Ende 2025 hielt Onkologie-Strategie von Candriam jedes Jahr Anteile an Unternehmen, die für etwa sechs von zehn neu zugelassenen Krebsmedikamenten weltweit verantwortlich waren. Dies verdeutliche sowohl die Breite des heutigen Innovationszyklus als auch Candriams langjährigen Fokus auf klinisch differenzierte Unternehmen.
Der wichtigste Wandel in der Onkologie sei der Übergang von einer breiten Behandlung zu einer präzisen Intervention. Anstatt Krebs nur nach Ort zu behandeln – Lunge, Brust, Dickdarm – zielt die onkologische Innovation zunehmend auf die pathologischen Treiber von Krankheiten ab. Dieser Wandel hat das Potenzial, die Ergebnisse zu verändern. Frühere Erkennung kann Klinikern dabei helfen, schneller einzugreifen, solange es noch Behandlungsmöglichkeiten gibt.
Infolgedessen gehe das Potenzial der Onkologie über reine Therapeutika hinaus. Unternehmen, die sich mit Diagnostik, Screening-Technologien, Präzisionstests und datengestützter Gesundheitsversorgung befassen, werden zu einem immer wichtigeren Bestandteil des Innovationsökosystems. Dadurch erweitere sich für Anleger das Chancenspektrum. Es werde deutlich, dass die Zukunft der Onkologie nicht nur durch bessere Behandlungen, sondern auch durch die Fähigkeit geprägt sein wird, Krankheiten zu verhindern, zu erkennen und besser zu steuern. (DFPA/ljh)
Candriam ist ein europäischer Vermögensverwalter mit Sitz in Luxemburg. Das Unternehmen gehört zu New York Life Investments, der Investmentgesellschaft der New York Life Insurance Company, und verwaltet Assets under Management (AuM) in Höhe von rund 163 Milliarden Euro.