Europa investiert massiv in seine Energieinfrastruktur. Für Infrastrukturinvestoren ergeben sich laut Dominik von Scheven, Managing Direktor Infrastructure & Real Assets Deutschland bei Hamilton Lane, dadurch Anlagemöglichkeiten in mehreren Bereichen – darunter in Sektoren wie LNG, etwa bei schwimmenden Speicher- und Regasifizierungsanlagen.
Europa habe seine Abhängigkeit von russischer Energie verringert, doch diese Abhängigkeit habe sich in vielerlei Hinsicht gewandelt: Strom- und Gaspreise bleiben aufgrund der stärkeren Abhängigkeit von globalem LNG und Brennstoffimporten über weite Strecken strukturell höher. Altbewährte Infrastruktursektoren sind wieder ein heißes Thema für institutionelle Investoren. Das gelte insbesondere in Europa, wo Bereiche wie Energiesicherheit Kapital anziehen – ein Trend, der durch den Konflikt im Nahen Osten noch verstärkt wird.
2021 kamen sowohl die europäische als auch die US-Wirtschaft mit ähnlichen Wachstumsraten von rund sechs Prozent aus der Coronakrise. In den Folgejahren haben die Energiepolitik und Russlands Invasion in die Ukraine die europäischen Energiemärkte auf den Kopf gestellt. Seit 2022 verzeichneten die USA ein durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum von rund 2,4 Prozent. Europa erreichte dagegen nur 1,4 Prozent – und der Großteil dieses Wachstums entfiel auf 2022, gefolgt von lediglich 0,5 bis 1,0 Prozent in den letzten drei Jahren.
Nachdem Europa erkannt habe, dass seine Abhängigkeit von russischem Gas zu einem Wachstumsengpass geworden war, wurde massiv in Energieinfrastruktur investiert. Insgesamt ist die Kapazität für verflüssigtes Erdgas (LNG) in der Europäischen Union in den vergangenen drei Jahren um mehr als 85 Milliarden Kubikmeter ausgebaut worden. Die Gesamtkapazität in Europa liegt inzwischen bei über 400 Milliarden Kubikmeter und damit rund 75 Prozent über dem Niveau von 2021 – LNG ist innerhalb kurzer Zeit zu einem zentralen Übergangsbrennstoff geworden.
Der Wandel sei zwar erheblich, habe die Anfälligkeit Europas aber nicht beseitigt. Vielmehr sei Europa heute stärker in ein globales Netzwerk aus LNG-Exportkapazitäten, Schifffahrtsrouten und externen Lieferbeziehungen eingebunden. Die zentrale Frage der europäischen Energiesicherheit laute nicht mehr nur, ob der Durchfluss einer Pipeline unterbrochen wird, sondern wie dieses umfassendere Logistiknetzwerk auf gleichzeitige Schocks reagiert.
Erneuerbare Energien gehören nach wie vor zu den Formen der Stromerzeugung, die am einfachsten in großem Maßstab installiert werden können. Angesichts der steigenden Stromnachfrage und erheblicher Einschränkungen beim Neubau gasbefeuerter Kraftwerke bleibt die Nachfrage nach Stromabnahmeverträgen für erneuerbare Energien robust, insbesondere aufseiten von Unternehmenskunden. Entgegen manchen Schlagzeilen sind erneuerbare Energien keineswegs ins Abseits geraten.
Private Infrastruktur bleibt auch 2026 eine attraktive langfristige Anlageklasse – gerade in einem Marktumfeld, das von makroökonomischen und geopolitischen Turbulenzen geprägt ist. (DFPA/ljh)
Hamilton Lane ist eines der weltweit größten Investmenthäuser für Private Markets und bietet innovative Lösungen für institutionelle Investoren sowie vermögende Privatkunden. Zum 31. März 2026 verwaltet und überwacht Hamilton Lane Vermögenswerte in Höhe von insgesamt 1,0 Billionen US-Dollar.