Investoren verlieren das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland
Die CFOs internationaler Unternehmen in Deutschland bewerten die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands kritisch - in einer Phase, da Energiepreis-Eskalationen durch den Iran-Krieg, Zollkonflikte, der Import-Boom aus China und der starke Euro die globale Standortwahl weiter massiv verschärfen. Das zeigt der „KPMG-Standortindex“, eine Detailanalyse von 24 zentralen Standortfaktoren, der im EU-Vergleich auf einen historischen Tiefstand gefallen ist.
Zugleich beurteilen 52 Prozent der CFOs die wirtschaftliche Lage ihrer deutschen Tochtergesellschaften als „schlecht" oder „sehr schlecht". Dies ist nahezu eine Verdreifachung gegenüber 2023. Für die Studie „Business Destination Germany" befragte KPMG 400 CFOs der größten deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne aus den acht wichtigsten Investorenländern Deutschlands. Die Erhebung erscheint seit 2017 alle zwei Jahre.
„Unser fünfter Standortindex dokumentiert einen Kipp-Punkt: Deutschland steckt nicht in einer Konjunkturdelle, sondern in einem strukturellen Problem. Die Folgen: Immer mehr internationale Investoren überprüfen ihre Engagements hierzulande kritisch", sagt Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei KPMG. „Wenn Politik und Wirtschaft jetzt nicht gegensteuern und die versprochenen Reformen zeitnah umsetzen, verlagern internationale Konzerne Investitionen, Beschäftigung und Wertschöpfung in andere Länder. Dies hätte massive Folgen für Wachstum, Innovation und Steuereinnahmen."
Der Standortindex zeigt den kontinuierlichen Rückgang: Seit der Erstauflage der Studie 2017 ist der Wert von 3,1 Punkten über 2,6 (2019), 2,4 (2021) und 1,2 (2023) sukzessive auf 0,2 gefallen. Deutschland liegt damit nur noch knapp über dem EU-Durchschnitt.
Die schwächeren Erwartungen spiegeln sich in den Investitionsplänen. Knapp jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) will in Deutschland weniger investieren. Das sind mehr als doppelt so viele wie vor zwei Jahren (elf Prozent). Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei Unternehmen aus Südostasien: 71 Prozent von ihnen wollen ihre Investitionen zurückfahren. (DFPA/mb)
KPMG ist ein Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Die Leistungen des Unternehmens sind in die Geschäftsbereiche Audit, Tax, Consulting und Deal Advisory gegliedert.