Deutschland hat beim Ausbau der Photovoltaik früh Pionierarbeit geleistet – und ebenso früh die Grenzen des Systems erfahren: überlastete Netze, negative Strompreise, langwierige Genehmigungen. Italien stehe nun an einem ähnlichen Wendepunkt, mit besseren natürlichen Voraussetzungen und der Chance, strukturelle Fehler zu vermeiden, meint Thomas Hartauer, Vorstandsvorsitzender des Erneuerbare Energien-Investors CAV Partners AG.
Während Deutschland mit Engpässen und Regulierung kämpft, gelinge Italien der Spagat zwischen Wachstum, Marktlogik und Stabilität. Das Land profitiere allein im Norden von rund 30 Prozent mehr globaler Sonneneinstrahlung als in Deutschland. Das sorge nicht nur für höhere und stabilere Erträge, sondern auch für einen geringeren CO2-Fußabdruck.
Hinzu komme eine flexible Preiszonenstruktur, die Angebot und Nachfrage regional ausgleicht – ein Instrument, das Deutschland bislang fehle. Für Investoren entstehe so ein hochspannender Markt mit langfristig stabilen Ertragsaussichten. Vor zwanzig Jahren startete Deutschland seine Solaroffensive mit enormem Tempo, aber wenig planerischer Abstimmung. Heute führen Überproduktion und Netzengpässe zu hunderten Stunden negativer Strompreise. „Deutschland hat den Solarboom gestartet, Italien kann ihn perfektionieren – weil es später beginnt, aber strategischer planen kann“, sagt Hartauer.
2024 verzeichnete Italien erstmals einen Rekordzubau von rund sieben Gigawatt Photovoltaik-Leistung. Bis 2030 sollen laut dem nationalen Energie- und Klimaplan etwa 80 Gigawatt installiert sein – mehr als doppelt so viel wie heute. Zum Vergleich: Deutschland installierte mit rund 16 Gigawatt zwar mehr Photovoltaik-Leistung, kämpft aber zunehmend mit negativen Börsenstrompreisen und überlasteten Netzen.
„Italien verfügt mit einer globalen Solarstrahlung von 1.400 bis 2.000 kWh/m² über deutlich bessere natürliche Voraussetzungen“, erklärt Hartauer. „Zugleich ermöglichen vereinfachte Genehmigungsverfahren (PAS), dass Projekte bis zu zehn Megawatt Spitzenleistung meist binnen weniger Monate genehmigt werden – ein Tempo, von dem Deutschland weit entfernt ist.“ Dies führe unter anderem dazu, dass Energieerzeugung und Energienachfrage regionaler gedacht werde. (DFPA/ljh)
Die Unternehmensgruppe der CAV (Clean, Assets [&] Values) widmet sich der maßgeschneiderten Gestaltung von nachhaltigen Kapitalanlagen für Institutionelle und Semiprofessionelle Investoren mit mehr als 300 Millionen Euro Bruttoinvestitionsvolumen und über 350 Anlagen in Europa.