Der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz bei Cyberangriffen und verschärfte regulatorische Vorgaben sorgen für wachsende Investitionen in europäische Cybersicherheitsunternehmen. Vor allem Anbieter mit Fokus auf kritische Infrastruktur, Verteidigung und öffentliche Einrichtungen rücken verstärkt in den Blick von Private-Equity-Investoren.
Nach Recherchen der US-amerikanischen Analysegesellschaft PitchBook hat sich die Bedrohungslage durch Cyberangriffe in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Künstliche Intelligenz ermögliche es Angreifern, Phishing-Kampagnen, Identitätsfälschungen und Ransomware-Angriffe schneller, kostengünstiger und zielgerichteter durchzuführen. Besonders betroffen seien Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Energieversorger, Verkehrsunternehmen, staatliche Einrichtungen und Finanzdienstleister.
Private-Equity-Gesellschaften reagieren darauf mit verstärkten Investitionen in spezialisierte Sicherheitsanbieter. So beteiligte sich die französische Beteiligungsgesellschaft Eurazeo kürzlich an Nextron Systems, einem Frankfurter Anbieter von Bedrohungsanalyse und Cyberforensik. Ein Großteil der Kunden stammt aus den Bereichen kritische Infrastruktur, öffentlicher Sektor und Verteidigung.
Auch andere Investoren setzen auf das Segment. Die Beteiligungsgesellschaft PSG Equity investierte unter anderem in den britischen Cybersecurity-Anbieter Glasswall, dessen Technologien von Behörden, Verteidigungsorganisationen und Infrastrukturbetreibern genutzt werden.
Zusätzlichen Rückenwind erhält die Branche durch regulatorische Vorgaben. Die Europäische Union stellt zwischen 2025 und 2027 rund 1,3 Milliarden Euro für Investitionen in künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und digitale Kompetenzen bereit. Gleichzeitig verpflichten Regelwerke wie die NIS2-Richtlinie und der Digital Operational Resilience Act (DORA) Unternehmen in zahlreichen kritischen Sektoren zu höheren Investitionen in ihre digitale Sicherheit.
Experten sehen darin einen vergleichsweise konjunkturunabhängigen Wachstumsmarkt. Sicherheitsausgaben würden zunehmend nicht mehr als freiwillige Investition, sondern als regulatorische Notwendigkeit betrachtet. Gleichzeitig erschweren hohe Zulassungsanforderungen, Sicherheitsfreigaben und langjährige Kundenbeziehungen den Markteintritt neuer Wettbewerber. Gerade diese hohen Eintrittsbarrieren machen spezialisierte Cybersecurity-Unternehmen für Finanzinvestoren besonders attraktiv. (DFPA/abg)
PitchBook ist ein US-amerikanisches Finanzdaten- und Analyseunternehmen, das sich auf Private Equity, Venture Capital, Mergers [&] Acquisitions (M[&]A) und andere Bereiche der privaten Kapitalmärkte spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und gehört seit 2016 zur Morningstar Inc., einem großen Anbieter von Finanzinformationen und Investmentanalysen.