Mit der Aussicht darauf, dass die Welt schon im Jahr 2050 mehr als zwei Milliarden Menschen zählen könnte, die über 60 Jahre alt sind, gilt der Megatrend der Demografie aus Anlageperspektive als wohl größter brachliegender Markt überhaupt. Das meint Chi Tran-Brändli, Senior Portfolio Manager Thematic Equities beim Züricher Fondsdienstleister Swisscanto.
Die weltweite Lebenserwartung hat sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zwar um drei Jahrzehnte verlängert. Wie sich aber zeigt, vermag die Gesundheit nicht mitzuhalten: Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge erhöhte sich beispielsweise zwischen 2000 und 2019 die Lebenserwartung weltweit um 6,4 auf 73,1 Jahre; die Aussicht auf ein gesundes Leben nahm während dieser Frist aber nur um 5,3 Jahre zu. Tatsächlich mögen Menschen zwar länger leben. Sie werden aber mit zunehmendem Alter von Krankheiten geplagt: In den USA etwa rechnete die Organisation National Council on Aging vor, dass dort 80 Prozent der über 65-Jährigen mit zwei oder mehr chronischen Krankheiten leben müssen. Das Konzept der ‚Gesundheitsspanne‘ rückt vor diesem Hintergrund mehr und mehr ins Rampenlicht. Im Gegensatz zur Lebensspanne misst sie die Zeit, die Menschen bei guter körperlicher und geistiger Verfassung genießen können. Im Fokus steht die Lebensqualität – es geht also darum, die Gesundheitskurve bis zum Lebensende möglichst auszuweiten.
Was gibt nun aber den Ausschlag – die Gene, das soziale Umfeld, eine fortschrittliche Medizin oder doch am Ende das individuelle Verhalten? Die amerikanische Gesundheits-Beratungsfirma Goinvo hat dazu Studien durchforstet und ein Ranking der vermuteten Einflüsse erstellt: Demnach machen etwa die Schlafqualität, ob und wie oft er oder sie rauchen oder trainieren, 36% der gesamthaften Einflüsse auf die Gesundheit aus. Mit 24% ebenfalls bedeutend sind die sozialen Lebensumstände. Mit immerhin 22% werden genetische und biologische Einflüsse bewertet – und nur zu 11% die medizinische Versorgung.
Solche Hinweise können interessant sein für Anlegerinnen und Anleger, die am Investmentthema Healthy Longevity interessiert sind. Allerdings erscheinen aus Investorensicht nicht alle Gesundheitsfaktoren als gleichermaßen gut zugänglich: Der Bereich der sozialen Gesundheit beispielsweise ist am Finanzmarkt noch wenig repräsentiert, während der Healthcare-Sektor fest verankert ist und nach wie vor zahlreiche Investmentchancen verspricht. Beispielsweise sind, vorab in Industriestaaten, Ergänzungsstoffe im Aufwind. Fast 80% der über 55-jährigen Konsumenten in den USA würden bereits solche Ergänzungsstoffe konsumieren, stellte etwa die Beratungsfirma SPINS 2024 in einer Studie fest.
„Ein weites Feld für Investments bieten auch Anbieter von Dienstleistungen, die auf einen aktiven Lebensstil zielen“, meint Tran-Brändli. Er denkt dabei auch an die spezifisch auf ältere Konsumenten ausgerichtete ‚Silver Economy‘ mit Angeboten für Wellness und Reisen. (DFPA/abg)
Swisscanto mit Sitz in Zürich ist ein Fondsdienstleister im Verbund der Zürcher Kantonalbank. Unter der Marke „Swisscanto Invest“ bietet die Unternehmensgruppe Produkte und Dienstleistungen im Anlage- und Vorsorgebereich für private und institutionelle Anleger an und verwaltet ein Vermögen von rund 217 Milliarden Schweizer Franken in Fonds unter Schweizer und Luxemburger Recht.