Die erwarteten Börsengänge von KI- und Raumfahrtunternehmen wie OpenAI, Anthropic und SpaceX könnten nach Einschätzung von Reinhard Panse, Chief Investment Officer beim Frankfurter Family Office Finvia, weitreichende Folgen für Anleger in breit gestreuten Aktienindizes haben. Zwar würden die Unternehmen zunächst nur mit geringem Gewicht in große Indizes aufgenommen, langfristig könnte ihre Bedeutung für ETF-Portfolios jedoch deutlich zunehmen.
Die Debatte um die bevorstehenden Mega-Börsengänge von OpenAI, Anthropic und SpaceX erinnert Panse an frühere Phasen großer Markteuphorie. Historisch seien bedeutende Börsengänge häufig in Zeiten besonders hoher Bewertungen erfolgt. Beispiele seien der Börsengang von Goldman Sachs während des Internetbooms 1999, der Gang von Blackstone an die Börse kurz vor der Finanzkrise 2007 oder die Notierung des Rohstoffhändlers Glencore vor einer längeren Schwächephase der Rohstoffmärkte gewesen.
Aktuell steht vor allem das Thema Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Die drei Unternehmen SpaceX, OpenAI und Anthropic werden zusammen mit rund 3,7 Billionen US-Dollar bewertet. Allerdings soll zunächst nur ein kleiner Teil der Aktien frei handelbar sein.
Für Anleger in ETFs auf Indizes wie den MSCI World oder den S[&]P 500 könnten die Börsengänge dennoch relevant werden. Neue Großunternehmen werden nach ihrer Notierung üblicherweise automatisch in wichtige Indizes aufgenommen. Dadurch investieren ETF-Anleger indirekt in die neuen Titel, ohne eine aktive Kaufentscheidung zu treffen.
Zunächst dürfte das Gewicht der Unternehmen in den Indizes gering bleiben. Langfristig könnte ihr Anteil jedoch deutlich steigen, falls weitere Aktien auf den Markt kommen und die hohen Bewertungen Bestand haben. Marktbeobachter halten einen Anteil von bis zu sechs Prozent an großen US-Aktienindizes für möglich.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Finvia-Experten Anlegern, ihre Vermögensstruktur regelmäßig zu überprüfen. Ein breit diversifiziertes Portfolio sollte neben US-Aktien auch andere Regionen und Anlageklassen berücksichtigen. Die Konzentration auf wenige große Technologiewerte könne sonst zunehmen. Historische Erfahrungen zeigten zudem, dass stark beachtete Börsengänge in den Jahren nach der Notierung nicht immer besser abschnitten als der Gesamtmarkt. (DFPA/abg)
Die Finvia Holding GmbH ist ein in Frankfurt am Main ansässiges Multi Family Office. Mit mehr als 100 Mitarbeitern betreut das Unternehmen Vermögen in Höhe von fünf[nbsp] Milliarden Euro.