Während die Aktienmärkte mit starken Schwankungen zu kämpfen hatten, lieferten Hochzinsanleihen in den vergangenen zwölf Monaten eine robuste Performance. Nach einem starken zweiten Quartal gehören sie zu den besten festverzinslichen Anlageklassen des Jahres 2025, so merkt Will Smith, Senior Vice President und Leiter US High Yield Credit bei dem Vermögensverwalter AllianceBernstein, in einem Marktkommentar an.
Die Gründe dafür sind solide Fundamentaldaten, hohe Renditen und eine konservative Bilanzpolitik. Dies sei umso erstaunlicher vor dem Hintergrund, dass Anleger über die weiteren Zollankündigungen und die aggressive Handelspolitik der USA zurecht besorgt seien. Es wäre daher nachvollziehbar, wenn diese wirtschaftlichen Risiken den Hochzinsmarkt deutlich ausbremsen würden. Eine Entwicklung, die nicht absehbar – und nach Smiths Ansicht auch unwahrscheinlich – ist.
Die Fundamentaldaten der Unternehmen in den USA und Europa haben etwas nachgegeben, sind aber weiterhin solide. Was die aktuell engen Kreditspreads betrifft, müssten Anleger aktuell wenig besorgt sein. Angesichts des gestiegenen Zinsniveaus machen Spreads nur noch einen kleineren Teil der Gesamtrendite aus. Wichtiger sei: Nicht die Spreads treiben die Erträge, sondern die Rendite selbst. Während der Spread einer Anleihe lediglich eine Momentaufnahme ihres Kreditrisikos im Vergleich zu Staatsanleihen widerspiegelt, bildet die Yield to Worst die erwartete Gesamtrendite ab – und berücksichtigt dabei sowohl das Zinsniveau von Staatsanleihen als auch die Kreditspreads. Aus diesem Grund ist die Worst-Case-Performance, unabhängig vom Umfeld, ein verlässlicher Indikator für die erwartete Fünf-Jahres-Rendite. Diese liegt derzeit nahe dem 75. Perzentil bei Anleihen mit einer Dauer von zehn Jahren. Angesichts dieser hohen Erträge werde damit gerechnet, dass Hochzinsanleihen in den kommenden Jahren ähnliche Renditen wie Aktien erzielen werden.
Die Spreads könnten sich jedoch wieder ausweiten, wenn die kurzfristigen Zinsen in Antizipation auf eine Fed-Zinssenkung steigen. Da Hochzinsanleihen von einem Zinsanstieg wahrscheinlich profitieren würden, könnten die Preise jedoch selbst bei einer Ausweitung der Spreads nach oben gehen. Die Unsicherheit im Handel habe nicht nur die Finanzmärkte durcheinandergebracht und die Handelspartner der USA im Dunkeln gelassen, sondern auch die Bilanzen der Unternehmen gestärkt – wenn auch unbeabsichtigt. Da die Haushaltsplanung vor diesem chaotischen Hintergrund sehr schwierig ist, haben sich Emittenten von Hochzinsanleihen dafür entschieden, ihr Betriebskapital zu stärken und ihre Verschuldung auf einem überschaubaren Niveau zu halten. Sie warten ab, wie sich Handels- und Zollsituation weiterentwickeln.
Die weltweiten Handelskonflikte mit den USA haben Emittenten nicht nur zu einem vorsichtigeren Schuldenmanagement gezwungen, sondern auch die anhaltenden Sorgen über eine drohende, gleichzeitige Fälligkeit einer großen Anzahl an Anleihen gemildert. Dennoch seien hochverzinsliche Anleihen keineswegs immun gegen wirtschaftliche Turbulenzen und genauso wenig seien sie rezessionssicher. Angesichts der hohen Bonität, der stattlichen Renditen und der umsichtigen Bilanzpolitik der Emittenten könnte diese etwas langweiligere Version von Hochzinsanleihen für Anleger jedoch genau das Richtige sein, um durch die aktuell unvorhersehbaren Märkte zu navigieren. (DFPA/mb)
Alliance Bernstein Ltd (AB) ist ein globales Vermögensverwaltungs- und Research-Unternehmen.