Die US-Notenbank Fed hat die Leitzinsen auf ihrer Juni-Sitzung erwartungsgemäß unverändert bei 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent belassen. Vor allem markiert die erste Sitzung unter dem neuen Chair Kevin Warsh einen Kurswechsel in der Kommunikation. Die Fed relativiert die Bedeutung ihrer Zinsprojektionen und der Forward Guidance. Die Einsetzung mehrerer Arbeitsgruppen signalisiert zudem, dass dies nicht die einzige Veränderung bleiben wird. Das kann positive Impulse setzen, birgt aber auch Risiken, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei dem Vermögensverwalter Eyb [&] Wallwitz.
Positiv sei, dass Warsh trotz des politischen Drucks aus dem Weißen Haus bislang keine Bereitschaft signalisiert hat, die Geldpolitik vorschnell zu lockern. Dies stärke zunächst den Eindruck einer unabhängigen Notenbank. Bemerkenswert sei auch, dass Warsh keine eigenen Projektionen vorlegte. Das passt zu seiner Ankündigung, die Fed künftig stärker an beobachtbaren Entwicklungen als an langfristigen Vorhersagen auszurichten.
Die Juni-Sitzung werde weniger wegen der Zinsentscheidung als vielmehr wegen der Anerkennung des inflationären Risikos in Erinnerung bleiben. Für Anleger spreche dies für ein Umfeld anhaltend höherer Zinsen. Gleichzeitig bleiben Produktivitätsfortschritte durch neue Technologien ein wichtiger Stabilisierungsfaktor. Die angekündigten Änderungen in der Kommunikation bergen Chancen und Risiken. Letztlich gehe es dabei um die wichtigste Ressource einer Notenbank: ihre Glaubwürdigkeit. Weniger Vertrauen in Prognosen und mehr Orientierung an beobachtbaren Entwicklungen könnten diese stärken, wenn dadurch Fehleinschätzungen seltener werden. Sie könne jedoch ebenso geschwächt werden, wenn gleichzeitig die Verlässlichkeit der zugrunde liegenden Daten infrage gestellt wird. Die Herausforderung für die Fed bestehe daher nicht nur darin, die Inflation zu kontrollieren, sondern auch das Vertrauen in die Qualität ihrer Entscheidungen zu bewahren. Daran werde Warsh in den kommenden Jahren zu messen sein. (DFPA/mb)
Eyb [&] Wallwitz ist ein Vermögensverwalter mit Sitz in München und Frankfurt.