London integriert CO₂-Entfernung in Emissionshandelssystem
Das Vereinigte Königreich will sein Emissionshandelssystem (UK ETS) um Technologien zur Kohlenstoffentfernung erweitern. Damit soll ein zentraler politischen Mechanismus zur Erreichung der Netto-Null bis 2050 geschaffen werden.
Laut einer im Juli veröffentlichten Konsultation sollen künftig neben klassischen Emissionszertifikaten auch Gutschriften für Maßnahmen wie Bioenergie mit CO₂-Abscheidung (BECCS), direkte Luftabscheidung oder Biokohle handelbar sein.
Organisationen, die dem ETS unterliegen, müssten damit weiterhin Emissionsrechte über Auktionen erwerben, könnten diese künftig aber durch sogenannte GGR-Zertifikate ersetzen. Die Gesamtobergrenze der Zertifikate bleibe unverändert und sinke wie bisher jährlich. Experten erwarten dadurch einen doppelten Effekt: Anreize für Dekarbonisierung sowie zusätzliche Kapitalflüsse in CO₂-Entfernungsprojekte.
Nicht alle Ansätze finden jedoch Berücksichtigung. Während Aufforstung voraussichtlich integriert wird, fehlen bislang Moore, obwohl degradierte Flächen in Großbritannien einen erheblichen Teil der Emissionen verursachen. Umweltökonomen kritisieren diesen Ausschluss.
Für Investoren könnte das neue System erhebliche Chancen eröffnen: Es schafft mehr Planungssicherheit, stärkt die Glaubwürdigkeit durch streng kontrollierte Gutschriften und begrenzt die Förderfähigkeit auf Projekte im Vereinigten Königreich. Laut Modellrechnungen könnte allein die Einbeziehung von Aufforstung bis 2050 eine kumulative CO₂-Bindung von bis zu 39 Millionen Tonnen ermöglichen – bei einem geschätzten gesellschaftlichen Nutzen von über 30 Milliarden Pfund bis 2027.
„Die Integration von GGR in das Emissionshandelssystem ist ein ermutigendes Signal und könnte den Weg für neue Anlageklassen im Bereich Klimafinanzierung ebnen“, sagte Nick Gaskell, Sustainable Investment Manager beim Asset Manager aberdeen in London. (DFPA/abg)
Mit rund 100 Mitarbeitern betreut die abrdn Investments Deutschland AG am Standort Frankfurt Kundenvermögen in Höhe von circa 35,6 Milliarden Euro (Stand: 31.12.2023) und gehört damit zu den größten ausländischen Asset Managern in Deutschland.