„Eine eigene Welt mit eigenen Gesetzen“, so beschreibt Iris Schöberl, Managing Director Germany bei Columbia Threadneedle Real Estate in München, den Markt für Einzelhandelsimmobilien im Luxussegment. Die Expertin für Retail-Investments hält diese Nische für eines der aktuell interessantesten Segmente für institutionelle Anleger. Der Grund? Luxusmarken haben in der Pandemie weniger gelitten und sich schneller erholt als der Einzelhandel in der Breite. Die Käuferschichten wachsen – und setzen viel stärker auf das Vor-Ort-Erlebnis als normale Verbraucher. Der Raum für die Inszenierung von Luxusmarken sei begrenzt.
Für die Top-Brands von LVMH, Hermès, Richemont und Kering etwa kommen nur sehr wenige Spitzenlagen in Frage – europaweit etwa 20 Straßen, allen voran die Bond Street in London, die Rue Saint-Honoré and Avenue Montaigne in Paris und die Via Montenapoleone in Mailand. Die Folge: kaum bis kein Leerstand, steigende Mieten und nach der Korrektur bei den Immobilienpreisen ein guter Zeitpunkt zum Einstieg für Investoren, die stabile und resiliente Erträge suchen.
Während der breite Einzelhandel sich nach Covid-Pandemie, Zinsanstieg und E-Commerce neu sortieren müsse, haben Marken wie Chanel, Hermès und Dior mit solchen Herausforderungen laut Schöberl deutlich weniger zu kämpfen. Luxusmarken hätten nicht nur höhere Gewinnmargen, sie profitierten auch von einer wachsenden Schicht wohlhabender Käufer, die zudem viel weniger sensibel auf wirtschaftliche Faktoren wie steigende Zinsen oder sinkendes Wachstum reagierten. Gut für das Luxussegment seien auch die wieder erstarkten Touristenzahlen.
In der ersten Reihe: knappes Angebot und starke Nachfrage nach Premium-Lagen
Interessant für Immobilien-Investoren seien Luxusmarken auch deshalb, weil ein Großteil deren Erfolgs auch heute noch im stationären Handel erzielt werde. Zudem seien die möglichen Standorte sehr spezifisch und nicht beliebig vermehrbar: Für Luxusmarken kämen je europäischer Metropole meist nur ein oder zwei Straßen überhaupt in Betracht. Entsprechend geringer sei dort der Leerstand im Luxussegment im Vergleich zur regulären Highstreet – in manchen Luxus-Shoppinghotspots gäbe es überhaupt keinen Leerstand mehr. Die starke Nachfrage treibe auch die Mieten. Sie liegen in Mailand, Paris und London im Schnitt beim 2,6-fachen bis 3,2-fachen vom normalen Highstreet-Einzelhandel.
Bei sinkender Inflation und weiterhin starker Nachfrage nach Flächen im Luxussegment sind dort wieder anziehende Immobilienpreise zu verzeichnen. Vor diesem Hintergrund rechnen die Experten von Columbia Threadneedle Real Estate für die nächsten fünf Jahre mit einer durchschnittlichen jährlichen Gesamtrendite von zehn Prozent, die deutlich über dem europäischen Marktdurchschnitt von rund sechs Prozent im gleichen Zeitraum liegt. (DFPA/mb)
Columbia Threadneedle Investments ist eine Vermögensverwaltungsgruppe, die weltweit für private, institutionelle und Firmenkunden ein Spektrum von aktiv verwalteten Anlagestrategien und -lösungen anbietet.