Während Kryptowährungen derzeit ein Sommertief erleben, rückt die Tokenisierung realer Vermögenswerte zunehmend in den Mittelpunkt der Finanzwelt, also der Prozess, einen realen oder digitalen Vermögenswert als digitale Repräsentation – einen sogenannten Token – abzubilden. Diese Entwicklung verändert grundlegend, wie Werte digital erzeugt, emittiert, gehandelt und verwahrt werden. Das merkt Jonathan Osswald im „DZ Research Blog“ der DZ Bank an.
Die Distributed-Ledger-Technologie soll den elektronischen Austausch vom reinen Informationsaustausch zu einem direkten Werteaustausch weiterentwickeln. Die Blockchain-Technologie mache dabei nicht alle Vermittler überflüssig, reduziere aber den Bedarf an bestimmten Rollen und schaffe eine neue technologische Architektur für Vertrauen und Austausch.
Dort setzt die Tokenisierung an. Sie bildet materielle wie immaterielle Werte als eindeutige digitale Repräsentationen auf einer Blockchain ab – einem fortlaufenden verteiltem Hauptbuch, das lückenlos festhält, wer was besitzt und wer wem etwas überträgt. Die Vorteile seien vielversprechend. Die Tokenisierung verkürze Abwicklungszeiten, senke Kosten und mache Kapital effizienter nutzbar. Märkte werden zeit- und ortsunabhängig zugänglich, während automatisierte Prozesse und die Teilbarkeit von Vermögenswerten den Marktzugang verbreitern und die Liquidität erhöhen.
Der Markt für tokenisierte Vermögenswerte wächst rasant und gewinnt auch in der klassischen Finanzwelt zunehmend an Bedeutung. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass das Volumen bis 2030 auf rund fünf Billionen US-Dollar steigen könnte. Ob sich dieses Potenzial entfaltet, hänge jedoch weniger von der Technologie ab als davon, wie sorgfältig Markt, Aufsicht und Politik den Weg in die Praxis gestalten. Entscheidend sei, dass tokenisierte Vermögenswerte auf einer gemeinsamen, standardisierten Infrastruktur existieren, auf dem alle Beteiligten nach denselben Standards arbeiten. Andernfalls drohe Fragmentierung, denn wenn isolierte, nicht miteinander verbundene Lösungen entstehen, ergibt sich statt eines vernetzten Systems ein Flickenteppich einzelner Insellösungen. (DFPA/mb)
Die DZ Bank-Gruppe ist Teil der Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken, die rund 800 Genossenschaftsbanken umfasst. Innerhalb der Genossenschaftlichen Finanzgruppe fungiert die DZ Bank AG als Spitzeninstitut und Zentralbank. Sie ist zudem als Geschäftsbank aktiv und hat die Holdingfunktion für die DZ Bank Gruppe.