Die Halbleiterindustrie ist zwar zyklisch, aber sie ist auf Wachstum eingestellt. Es gibt nur wenige Sektoren in Japan mit so starken Wachstumsaussichten, meinen die Experten beim Schweizer Asset Manager GAM Investments.
Ernst Glanzmann, Lukas Knüppel und Katsuya Takeuchi verwalten die japanischen Aktienstrategien bei GAM Investments. Sie sind der Überzeugung, dass die Geschichte der Künstlichen Intelligenz erst am Anfang steht, insbesondere im Hinblick auf Speicher mit hoher Bandbreite und den technologischen Wandel in der Fertigung. Ihr Beispiel: „Disco“, ein japanischer Hersteller von Präzisionswerkzeugen für die Halbleiterproduktion.
Im September letzten Jahres begannen die Japanischen Wachstumswerte sich von den Herausforderungen der Covid-Pandemie zu erholen. Seit fast einem Jahr liegen der Tokioter Aktienkursindex (TOPIX) und der Wachstumsindex mit nur geringen Unterschieden gleichauf. Dies steht im Einklang mit den rückläufigen langfristigen Renditen in den USA, da der Markt glaubt, dass die Inflation unter Kontrolle ist und die Fed ihren Lockerungsprozess beginnt. Dadurch hat sich das Gesamtbild stabilisiert, wobei Growth und Value nun einem ähnlichen Muster folgen. Die Analysten haben die Gewinnprognosen für die von uns favorisierten Wachstumswerte angehoben, was unserer Meinung nach ein starkes Argument dafür ist, dass Wachstumswerte in den kommenden Jahren besser abschneiden sollten.
Disco: Ein bedeutender Akteur in der Halbleiterherstellung
Wenn es um Wachstumswerte geht, sind Halbleiter von entscheidender Bedeutung. Asien spielt eine wichtige Rolle in der Halbleiterlieferkette, und Japan war einst der weltweit führende Chiphersteller. Die Besorgnis über die Lieferketten und die geopolitischen Spannungen haben die japanische Regierung dazu veranlasst, eine massive Investitionsoffensive zu starten. Die nach Marktkapitalisierung größte japanische Halbleiteraktie, Tokyo Electron, ist das fünftgrößte Unternehmen für Halbleitermaterialien und -ausrüstung weltweit. Während sich Tokyo Electron eher auf den vorderen Teil des Herstellungsprozesses konzentriert, ist Disco am hinteren Teil beteiligt. Das Unternehmen spielt eine entscheidende Rolle bei der Herstellung von Halbleiterchips, indem es hochpräzise Geräte und Verbrauchsmaterialien für das Schneiden, Schleifen und Zerteilen von Wafern während des gesamten Produktionsprozesses liefert. Disco hält in diesem Nischenbereich des Chip-Herstellungsprozesses einen Marktanteil von 70 bis 80 Prozent. Darüber hinaus entfallen 20 bis 30 Prozent der Einnahmen von Disco auf Verbrauchsmaterialien, die während des gesamten Prozesses verwendet werden und regelmäßig nachbestellt werden müssen. Zusammen mit den Ersatzteilen und dem Service macht dies 40 bis 50 Prozent der Einnahmen aus, die wiederkehrend sind und eine hohe Gewinnspanne aufweisen. Dieses Geschäftsmodell ist besonders vorteilhaft in Zeiten des Marktabschwungs und verleiht dem Unternehmen einen defensiven Charakter, was angesichts der zyklischen Natur der Halbleiterindustrie von Vorteil ist.
KI und Rechenzentren: Disco profitiert vom Megatrend
Das neue heiße Thema KI und Rechenzentren spielt auch in das Geschäftsmodell von Disco hinein. Neue Rechenzentren benötigen Speicher mit hoher Bandbreite, wobei Speicherchips vertikal gestapelt werden. Der mit Spannung erwartete Nvidia-Blackwell-Grafikprozessor beispielsweise wird zwölf Speicherchips übereinander stapeln, wodurch die Chips dünner sein müssen und die Nachfrage nach den hochwertigen „Grinders“ von Disco steigt, was zu besseren Margen führt. Wir sehen ein starkes Wachstumspotenzial und steigende Margen für das Unternehmen, obwohl es sich bereits auf einem hohen Niveau befindet.
Der Aktienkurs des Unternehmens ist über den Sommer um 50 Prozent gefallen, was nach Meinung der Autoreneine gute langfristige Kaufgelegenheit darstellt. Als exportierendes Unternehmen hat ein stärkerer Yen den Disco-Aktienkurs unter Druck gesetzt. Darüber hinaus hätten der allgemeine Ausverkauf am Markt und die Yen-Carry-Trades zu den makroökonomischen Faktoren beigetragen, die das Unternehmen beeinträchtigen. „Trotz dieser Herausforderungen glauben wir an das langfristige Potenzial des Unternehmens und vergleichbarer wachstumsorientierter Aktien“, zeigen sich die Experten optimistisch. (DFPA/abg)
GAM Investments ist ein börsennotierter Vermögensverwalter mit Hauptsitz in Zürich.