Auch zu Jahresbeginn produziert US-Präsident Donald Trump eine Schlagzeile nach der anderen: Medial hat die Festsetzung des venezolanischen Präsidenten Maduro für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt. Hinzu kamen erneute Ambitionen, Grönland zu kaufen und Drohungen gegenüber Iran, Kuba und anderen Staaten, so heißt es bei „Mumm kompakt“, einer Einschätzung von Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse und Chefvolkswirt des Bankhauses Donner [&] Reuschel.
Die Auswirkungen auf Kapitalmärkte und Rohstoffbörsen blieben moderat. Das könnte sich nun ändern: Mit der Drohung, Fed-Chairman Jerome Powell wegen angeblicher Falschaussagen über die Kosten des Umbaus der Fed-Zentrale strafrechtlich belangen zu wollen, hat die seit Monaten andauernde Kampagne gegen die Unabhängigkeit der US-Notenbank und ihren Vorsitzenden laut Mumm einen neuen Tiefpunkt erreicht.
Mehr Potenzial auf Zinsen, Aktienkurse und Währungen zu wirken, hätten auch die Hinweise auf künftige innenpolitische Akzente angesichts sehr schwacher Umfragewerte vor den Zwischenwahlen zum Kongress im Herbst.
Dabei gehe es um das Kernthema „Affordability“. Obwohl die Löhne zuletzt vielfach stärker gestiegen seien als die Preise für Waren und Dienstleistungen, bestehe in den USA das verbreitete Gefühl, dass man sich immer weniger leisten könne. Dazu tragen laut Mumm auch anhaltend hohe Hypothekenzinsen bei. Anders als im Präsidentschaftswahlkampf 2024 könne Trump die Schuld an den noch immer recht hohen Teuerungsraten aber nicht auf die Demokraten schieben.
Allerdings bedeuteten die von Trump geforderten niedrigeren Leitzinsen nicht notwendigerweise, dass auch die Zinsen bei längeren Laufzeiten und damit die Kreditkonditionen für Private, Unternehmen und die Regierung sinken. Daher habe er weitere Regelungen ins Spiel gebracht, beispielsweise die Deckelung von Kreditkartenzinsen, den Aufkauf von Hypothekenkrediten oder ein Verbot für Institutionelle, Einfamilienhäuser zu kaufen.
Staatliche Eingriffe in den Markt und weitere fiskalpolitische Expansion sorgten jedoch höchstens kurzfristig für eine Entlastung der Verbraucher. Vor allem aber zeigten sie, dass politische Risiken in den USA enorm gestiegen seien: Sie schreckten Investoren sowie Käufer von US-Aktien und Anleihen ab und schwächten den Status des Dollar als Weltleitwährung. (DFPA/mb)
Die Donner [&] Reuschel AG ist eine Privatbank mit Hauptsitz in Hamburg. Das 1798 gegründete Unternehmen gehört seit 1990 zur Versicherungsgruppe Signal Iduna.